Beschränkte Patentmaus

7. Juli 2004, 19:29
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Ein Kommentar von Eva Stanzl

Für das Patent auf die "Krebsmaus" wurde als erstes in Europa das Recht gefordert, Tiere als "Erfindung" zu bezeichnen. Es wurde am 13. Mai 1992 für alle "transgenen" Säugetiere erteilt, denen zumindest ein Gen eines anderen Lebewesens eingepflanzt wurde. Zwölf Jahre der Einsprüche gegen "Patente auf Leben" brachten nun eine Einschränkung, wonach das Verfahren nur noch an Mäusen angewandt werden darf - für die Kritiker ein bloßer Etappensieg.

Denn das Europäische Patentamt unterliegt keiner äußeren Rechtsprechung. Es beruft sich in seinen Entscheidungen einerseits auf das europäische Patentübereinkommen von 1997, wonach die Patentierung von Pflanzensorten und Tierarten verboten ist. Und andererseits zieht es die EU-Richtlinie von 1998 heran, wo "Pflanzensorten" und "Tierarten" nicht patentiert werden dürfen, "Pflanzen" und "Tiere" aber schon. - Verwirrend? In dem Dschungel von Regeln wäre es ein Leichtes, sie in eigenem, kommerziellen Interesse auszulegen. Auch in Zukunft können breit gefasste Patente auf Leben erteilt werden, die ihren möglichen wirtschaftlichen Nutzen für ihre Besitzer steigern. Bei Verfahren etwa für gentechnisch manipulierten Reis würden also Paradeiser und Salate gleich mitgenehmigt.

Die größere Frage ist die nach dem Nutzen. Dem kürzlich entdeckten Brustkrebsgen, mit dem diese Krankheit erkannt werden kann, steht die Krebsmaus gegenüber. Zwar konnten Forscher mit ihr neue Arzneien testen, aber der weitere praktische medizinische Nutzen ist nach der Meinung kritischer Wissenschafter verschwindend gering. Denn beim Menschen wird Krebs nicht, wie bei der Maus, durch ein Gen, sondern durch mehrere ausgelöst. Hoffnungen auf revolutionäre Erkenntnisse haben sich mit der umstrittenen Krebsmaus bisher nicht erfüllt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 7. 2004)

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