Letzte Rosen für den Präsidenten

8. Juli 2004, 08:28
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Statt geplantem "Tag der offenen Tür" zum Abschied ein Tag der Trauer Berührende Würdigungen aus aller Welt für Klestil als "großer Staatsmann" - Parlamentssitzung ganz im Schatten des Todes des Bundespräsidenten

In der Loge, dort wo er regelmäßig die Nationalratssitzungen verfolgte, lag ein Bouquet weißer Rosen. Das Parlament war an diesem Mittwoch, wenige Stunden nach seinem Tod, schwarz beflaggt. Zu Beginn der Sitzung verharrten die Abgeordneten in einer Trauerminute für Bundespräsident Thomas Klestil, der in der Nacht auf Mittwoch, um 23.33 Uhr, in der Folge eines Multiorganversagens im AKH Wien gestorben ist.

Thomas Klestil wurde Mittwochvormittag im Jagdzimmer der Hofburg aufgebahrt. Noch bevor die Räumlichkeiten auch für Bürger geöffnet wurden, nahmen Klestils designierter Nachfolger, Heinz Fischer, die Mitglieder der Bundesregierung und der Präsidiale des Parlaments Abschied vom Präsidenten. Sie kondolierten der Witwe, Margot Klestil-Löffler, und seinen Kindern aus erster Ehe. Heute, Donnerstag, wird der Sarg im Trauerkondukt in die Hofburgkapelle überstellt, wo noch bis Freitagabend für die Bevölkerung die Möglichkeit besteht, von Klestil Abschied zu nehmen.

Vier Tage Trauer

Die Bundesregierung hat eine viertägige Staatstrauer beschlossen - bis zum Staatsbegräbnis am kommenden Samstag. Analog zur Staatstrauer folgten auch die österreichischen Botschaften im Ausland dem Protokoll zum Gedenken an den verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil. Die Staatsflaggen wurden auf Halbmast gesetzt, die EU-Fahne - für die Zeit der Beflaggung auf Halbmast - entfernt.

Bis zur Angelobung von Heinz Fischer heute, Donnerstag, hat das Präsidium des Nationalrats - die Parlamentspräsidenten Andreas Khol (VP), Barbara Prammer (SP) und Thomas Prinzhorn (FP) - die Funktion des Staatsoberhauptes übernommen.

Der Tod Klestils, zwei Tage vor dem Wechsel an der Staatsspitze, lag wie ein Schatten über dieser planmäßigen Sitzung des Nationalrates. Die Politiker verzichteten auf eine Aktuelle Stunde, auf dringliche Anfragen und drosselten ihre Rhetorik. Zahlreiche Mandatare hatten sich schwarz gekleidet und drückten in ihren Reden gegenüber den Angehörigen des verstorbenen Staatsoberhauptes ihre Anteilnahme aus.

Die Bundesregierung kam zuvor zu einem Sonderministerrat zusammen. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erklärte: "Mit Bundespräsident Thomas Klestil hat Österreich eine große Persönlichkeit, einen überzeugten Österreicher und Europäer verloren, der sein Leben in den Dienst seines Landes und seiner Menschen gestellt hat.

Sein Ableben, so kurz vor dem Ende seiner zweiten Amtsperiode, ist ein tragischer Schicksalsschlag nicht nur für seine Familie, sondern ein trauriges Ereignis für alle Österreicher, die in den letzten 40 Stunden den Atem angehalten haben.

Ich hätte es ihm gewünscht, den Dank der Republik für seine zwölfjährige Präsidentschaft persönlich zu hören und entgegennehmen zu können. Gott hat es anders gefügt." Vizekanzler Hubert Gorbach ergänzte, "mit Thomas Klestil verlässt uns ein großer Diplomat und ein umsichtiger und vorausschauender Staatsmann".

Österreich kondoliert

Auch die Spitzenpolitiker der Opposition würdigten Klestils politisches Wirken. SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer sagte, Österreich verliere mit Klestil eine "staatspolitische Persönlichkeit von großem Format". Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen hob besonders Klestils "Bemühungen um den Dialog" hervor. Vertreter der Sozialpartner, der Länder und Gemeinden sowie die Repräsentanten der Religionsgemeinschaften äußerten ihre Anteilnahme in zum Teil bewegenden Worten.

Vertreter der Justiz, Freunde, Interessenvertreter zahlreicher sozialer und kirchlicher Organisationen zeigten sich am Mittwoch betroffen vom Ableben des Bundespräsidenten.

Als Erster hatte der künftige Bundespräsident Heinz Fischer um Mitternacht mit den Worten Abschied genommen: "Ganz Österreich trauert jetzt, nachdem 36 Stunden vor Ende seiner Amtszeit der wirklich eindrucksvolle und durch Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug geprägte Lebensweg des Bundespräsidenten ein Ende gefunden hat." Der Tod Klestils sei ein "großer Verlust für Österreich". Unter dem Eindruck des Todes Klestils sei bei seiner Angelobung nicht an "Festlichkeit" zu denken. Der neue Präsident Fischer: "Die Majestät des Todes überwiegt alles andere." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.7.2004)

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    Der geschlossene Sarg, verhüllt mit Österreichs rot-weiß-roter Fahne, wurde am Mittwoch im Jagdzimmer der Hofburg aufgebahrt. Gardesoldaten hielten die Ehrenwache.

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