Giftige Attacken auf Edwards

13. Juli 2004, 08:58
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Republikaner reagieren gereizt: Der fesche Senator aus dem Süden sei "unaufrichtig" und habe keine Leistungen zu bieten

Für viele Republikaner ist mit der Wahl von John Edwards als Vizepräsidentschaftskandidat von John Kerry das Worst-Case-Szenario eingetreten: Schon während der Vorwahlen hatte man im Weißen Haus befürchtet, dass der fesche, telegene und charismatische Senator aus dem Süden der USA die größte Gefahr für Präsident George W. Bush darstellen könnte.

Tatsächlich begannen die giftigen Attacken der Republikaner auf Edwards bereits wenige Minuten nach Kerrys Ankündigung - trotz der freundlichen Worte von Bush ("Ich freue mich auf einen guten, lebhaften Wettkampf") und eines Willkommenanrufes von Vizepräsident Dick Cheney für Edwards.

Edwards, so ein Statement des Republican National Committee, sei "ein unaufrichtiger Liberaler ohne große Leistungen"; das Ticket Kerry/Edwards würde die Nation entzweien; Kerry habe mit Edwards nur die "Charmelücke" schließen wollen.

Ein Heer von republikanischen Getreuen bevölkerte Dienstag alle einschlägigen Talkshows mit der gleich lautenden Botschaft: Kerry selbst habe Edwards während der Vorwahlen mangelnde Erfahrung vorgeworfen; ein Vergleich mit dem versierten Cheney sei lachhaft.

Der politische Kommentator Mark Shields konterte darauf in einem Interview, wenn man die Bilanz dieser Regierung betrachte, so habe Cheney seinen Erfahrungsbonus verspielt. Er habe sich vom ersten Tag an nur darauf vorbereitet, die Präsidentschaft zu übernehmen - "und manche würden argumentieren, dass er sie auch vom ersten Tag übernommen hat".

Die ehemaligen Gegenspieler von Kerry und Edwards, von Howard Dean über Joseph Lieberman bis zu Al Sharpton, überboten sich in Lobeshymnen für das demokratische Ticket. Und die Befürchtung von vielen, Edwards könnte den manchmal allzu langweilig wirkenden Kerry in den Schatten stellen, wird als geradezu absurdes Szenario verworfen: Dazu, so der Tenor vieler Demokraten sowie der Leitartikler von Washington Post und New York Times, habe Kerry viel zu viel Selbstvertrauen. Der Einstieg von Edwards würde sich im Gegenteil belebend auf den Wahlkampf Kerrys auswirken.

Auf die Frage, inwieweit ein Kandidat für die Vizepräsidentschaft Einfluss auf das Wahlergebnis haben könne, antwortete der konservative Kolumnist und Autor David Brooks: "Wenn wir wieder so eine knappe Wahl wie letztes Mal haben, könnten ein paar Stimmen mehr für Edwards entscheidend sein." (DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2004)

Von Susi Schneider aus New York
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    Einen solch kinderfreundlichen Vize sieht der Wähler immer gerne: Senator John Edwards auf Schmusekurs mit einem Säugling in Pittsburgh, Pennsylvania.

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