Schwere Gefechte im Zentrum von Bagdad

8. Juli 2004, 17:45
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Granatenangriff auf Haus und Parteizentrale des Übergangspremiers

Bagdad - In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Mittwoch schwere Gefechte zwischen Aufständischen und US-Soldaten ausgebrochen. Das Zentrum Bagdads wurde von mehreren Explosionen erschüttert, begleitet vom Feuer aus Maschinengewehren. Ein US-Soldat sprach von einem Angriff vermutlich ausländischer Extremisten. Mindestens zehn irakische Nationalgardisten wurden bei den Kämpfen verletzt. Im Zentrum Bagdads hatte es zuletzt nur noch selten Gefechte gegeben.

Am Mittwoch schlugen in der Nähe des Hauses von Übergangspremier Iyad Allawi zwei Granaten ein. Auch die Zentrale von Allawis "Irakischer Partei der Nationalen Eintracht" wurden nach Angaben des arabischen TV-Nachrichtensenders Al Jazeera mit Granaten angegriffen. Sechs Iraker wurden dabei verletzt, darunter zwei Polizisten. Rebellen riefen auf Flugblättern zum Sturz der Übergangsregierung auf, die sie als Marionette der US-Besatzungstruppen bezeichnen. Allawi und die USA machen für die Gewalt Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und Extremisten aus dem Ausland verantwortlich.

Neue Verluste

Die US-Armee erlitt erneut Verluste. Nach Angaben des US-Militärs wurden vier US-Soldaten bei Gefechten mit Aufständischen im Sunniten-Gebiet der Provinz Al-Anbar westlich von Bagdad getötet. Seit Beginn des Irak-Krieges im März vergangenen Jahres fielen damit 646 US-Soldaten.

Die US-Streitkräfte haben die Beteiligung Israels an Verhören von Gefangenen im Irak bestritten. Das offizielle Dementi kam am Dienstag (Ortszeit), nachdem die frühere Leiterin des Gefängniswesens im besetzten Irak, die Brigadegeneralin der US-Armee Janis Karpinsky, dem BBC-Radio mitgeteilt hatte, sie habe einen israelischen Vernehmungsbeamten während eines Besuchs in einer Verhörzentrale in Bagdad getroffen.

Unterdessen hat der jordanische Geheimdienst einen Schwager des im Irak gesuchten Top-Terroristen Abu Mussab al Zarqawi festgenommen. Wie es in der Nacht auf Mittwoch aus Kreisen der Familie in der jordanischen Stadt Zarka hieß, wurde der 40 Jahre alte Islamist Salah al Hami, genannt "Abu Kadama", von den Geheimdienstmitarbeitern aus seinem Haus abgeholt. Hami, der durch einen Landminenunfall einen Fuß verloren haben soll, hatte eine Islamisten-Zeitung herausgegeben und soll in Verbindung mit dem Top-Terroristen stehen.

Für die Ergreifung von Zarqawi, der zahlreiche Terroranschläge im Irak geplant haben soll, hat die US-Regierung ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. (Reuters, dpa, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2004)

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