2000 Kinder werden in Österreich jährlich als vermisst gemeldet

8. Juli 2004, 22:31
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Fast immer tauchen sie rasch wieder auf - Tragische Ausnahme ist Natascha Kampusch

Wien - Nach dem Geständnis des mutmaßlichen Serienmörders Michel Fourniret werden in Frankreich, Belgien und den Niederlanden derzeit Dutzende Fälle von vermissten Kindern und Jugendlichen überprüft. In Österreich wurden im Vorjahr fast 2000 Minderjährige als vermisst gemeldet - fast immer tauchten sie aber rasch wieder auf. Nur der Fall der spurlos verschwundenen Natascha Kampusch ist derzeit weiter ungeklärt.

"1832 Minderjährige sind im vergangenen Jahr bei der Polizei oder Gendarmerie als vermisst gemeldet worden", berichtet Gerald Hestzera vom Bundeskriminalamt (BK). Dazu kamen 1680 Erwachsene, bei denen die Exekutive aber nur zu ermitteln beginnt, wenn ein Unfall, Selbstmord oder Verbrechen befürchtet wird. Denn verboten ist es Volljährigen nicht, alles hinter sich zu lassen.

Häufigste Gründe: Probleme in der Schule oder zu Hause

Bei Kindern und Jugendlichen starten die Beamten dagegen die Fahndung. "Die vermissten kommen aber fast immer nach kurzer Zeit zurück oder melden sich bei den Angehörigen", weiß Hestzera. Probleme in der Schule oder zu Hause sind dabei die häufigsten Gründe fürs Ausreißen.

Abenteuerlust

Auch Abenteuerlust spielt eine Rolle, wie bei jenen Teenagern, die im Vorjahr mit der Kreditkarte des Vaters Richtung Hawaii aufbrachen. Nachdem sie die Karte in Frankfurt benutzt hatten, war in London dann Endstation - sie wurden wieder zurückgeschickt.

Sind die Spuren nicht so klar, wird zunächst eine österreichweite Fahndung herausgegeben, dann werden die Nachbarländer informiert, beschreibt der BK-Sprecher das Prozedere. Als letzter Schritt werden Fahndungsersuchen an die Behörden der "Schengen-Staaten" beziehungsweise an Interpol übermittelt.

Im Falle von Natascha Kampusch hat dies alles nichts genutzt. Die damals Zehnjährige war am 2. März 1998 auf dem morgendlichen Weg zur Schule in Wien-Donaustadt verschwunden. Groß angelegte Suchaktionen und der Einsatz von Privatermittlern brachten bis heute kein Ergebnis, Natascha blieb verschollen.

Während sie die einzige vermisste Minderjährige ist, gibt es gleich mehrere Fälle von Erwachsenen, die unter mysteriösen Umständen verschwunden sind. Seit dem Vorjahr wird auch via Fernsehen gefahndet, Peter Resetarits präsentiert viermal im Jahr die Sendung "Spurlos". Hinweise aus der Bevölkerung gibt es aber nur wenige, gesteht er ein. "Bisher gab es immer nur vereinzelte Anrufe zu den Fällen. Bei zwei Vermissten haben wir jedoch recht stichhaltige Tipps bekommen, wo sich die Gesuchten aufhalten, die Überprüfung ist aber schwierig." (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2004)

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