Mannesmann-Prozess - Ackermann kämpft um seine Karriere

14. Juli 2004, 10:23
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Am Donnerstag plädieren die Verteidiger des Deutsche-Bank-Chefs im Mannesmann-Prozess - Sie wollen Freisprüche durchsetzen

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kämpft um seine Karriere, Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser um seine Ehre. Ab Donnerstag haben im Mannesmann-Prozess die Verteidiger das Wort. Zwei Tage lang haben sie im spektakulärsten Wirtschaftsprozess Deutschlands Zeit, dem Gericht ihre Sicht der Dinge darzulegen. Ihre Forderung steht schon fest: Freispruch.

Insgesamt sechs Angeklagte sitzen seit Jahresanfang im Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts auf der Anklagebank: neben Ackermann und Esser der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, der Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei Mannesmann-Mitarbeiter. Doch am meisten zu verlieren hat sicherlich Ackermann, Deutschlands mächtigster Banker.

Zwei Jahre Haft mit Bewährung wegen Untreue in einem besonders schweren Fall hat die Staatsanwaltschaft für den Topmanager gefordert. Als Mannesmann-Aufsichtsratschef habe Ackermann ein "hohes Maß an Pflichtwidrigkeit" gezeigt und ohne Überprüfung unzulässige Millionenprämien für die Mitangeklagten genehmigt. Selbst wenn er nicht ins Gefängnis müsste, eine solche Verurteilung wäre für den Banker wohl gleichbedeutend mit dem Verlust seines Chefsessels bei Deutschlands mächtigstem Geldinstitut.

Dabei war schon der Prozess selbst für den Manager hart: Zwei Tage in der Woche musste der Banker statt im eigenen Büro im Gerichtssaal verbringen, musste Zeugenaussagen lauschen statt Bilanzen zu studieren. Kein Wunder, dass der Banker während der langen Prozesstage immer wieder unauffällig Geschäftsakten durcharbeitete.

Der Prozess hatte für Ackermann mit einem grandiosen Fehlstart begonnen. Gleich am ersten Tag sorgte er mit der Bemerkung "dies ist das einzige Land, wo die, die erfolgreich Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen" und mit einem Victory-Zeichen im Gerichtssaal für einen öffentlichen Aufschrei über die "Arroganz der Mächtigen".

Danach gab sich Ackermann im Gerichtssaal zurückhaltend und hielt die Arme meist vor der Brust verschränkt. "Ich habe mich nicht bereichert, sondern nur die Leistungen anderer honoriert", verteidigte Ackermann die umstrittene 15,9 Mio. Euro-Prämie für Mannesmann-Chef Esser. Die Rekordprämie sei eine außergewöhnliche Anerkennung für eine außergewöhnliche Leistung gewesen. "Wir haben uns vom Prinzip der Leistungsgerechtigkeit leisten lassen."

Seine eigene Rolle bei der Bewilligung der Prämien versuchte Deutschlands mächtigster Banker zu relativieren. "Ich war in die Vorgänge innerhalb der Mannesmann-Verwaltung nicht eingeweiht, als externes Aufsichtsratsmitglied", betonte er. Er habe sich darauf verlassen müssen, dass die Entscheidungsvorlagen juristisch geprüft und einwandfrei seien.

Und das Gericht scheint bereit seiner Darstellung zu folgen. Sehr deutlich hat die Vorsitzende Richterin, Brigitte Koppenhöfer, in einer Zwischenbilanz Ende März signalisiert, dass Freisprüche für die Angeklagten zu erwarten seien.

Allerdings dürften es nicht unbedingt "Freisprüche erster Klasse" werden. Denn die Richterin hatte damals betont, nach Auffassung des Gerichts seien die Millionenabfindungen für Mannesmann-Chef Klaus Esser und andere Topmanager des Konzerns zwar strafrechtlich nicht relevant, aktienrechtlich aber nichtsdestotrotz unzulässig gewesen.(Von Erich Reimann/APA/AP)

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