ComCom-Jahresbericht - Schweizer sind sehr kommunikationsfreudig

14. Juli 2004, 10:23
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Schweizer Telekommarkt ist der grösste in Europa hinter jenen der sechs bevölkerungsreichsten EU-Länder - Wachstumshöhepunkt im Mobilfunk überschritten

Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind sehr kommunikationsfreudig, jedenfalls was die elektronische Kommunikation anbelangt. Der Schweizer Telekommarkt ist der größte in Europa hinter jenen der sechs bevölkerungsreichsten EU-Länder. Dies geht aus dem am Mittwoch publizierten Jahresbericht 2003 der Eidg. Kommunikationskommission ComCom hervor. Das stetige Wachstum seit der Liberalisierung sei trotz der Krise in den Jahren 2001 und 2002 ungebrochen.

Die EU-Kommission erwartet, dass der Telekommarkt auch im letzten Jahr um rund 4 Prozent und damit weit stärker als die Gesamtwirtschaft gewachsen ist. Die ComCom bezeichnet die Liberalisierung deshalb als Erfolgsgeschichte.

Die Schweiz habe insgesamt von der Marktöffnung seit 1998 profitiert: Die Preise seien vor allem in den ersten Jahren stark gefallen. Das Angebot an Kommunikationsmöglichkeiten habe sich stark verbreitert, und die Grundversorgung, der "Service public", sei in der ganzen Schweiz sichergestellt.

Diese Erfolgsgeschichte lässt sich gemäß ComCom beziffern. Vorab in der Mobiltelefonie: Die Marktdurchdringung betrug Ende 2003 neu 84 Prozent (Vorjahr: 79 Prozent). Die Schweiz liegt damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld.

Mit dieser Marktdurchdringung stößt die Entwicklung in der Schweiz jedoch langsam an die Decke. Die jährliche Wachstumsrate ist seit dem Spitzenjahr 2000 kleiner geworden, womit die Schweiz weiterhin deutlich hinter dem weltweiten Spitzenwert Schwedens liegt: Die Skandinavier vermeldeten letzte Woche eine Marktdurchdringung von 100,1 Prozent.

Spitzenreiter unter den Mobilfunkanbietern bleibt, wie in den anderen europäischen Ländern auch, die ehemals staatliche Telefongesellschaft. Die Swisscom hat 1,5 Prozent Marktanteil verloren und liegt neu Ende 2003 bei 61,8 Prozent.

Sunrise hält 20,5 und Orange 17,7 Prozent. Im Unterschied zu den EU-Ländern ist die Stellung des früheren Regiebetriebs aber überdurchschnittlich stark, schreibt die ComCom.

Wichtigster Wachstumsmotor im Telekommarkt war der Ausbau des Zugangs zum Breitband-Internet. Dabei verzeichneten die ADSL- Angebote einen regelrechten Boom.(APA)

Nach einem verhaltenen Markteintrit im Jahr 2000 und einer langsamen Entwicklung bis Ende 2002 hat ADSL im letzten Jahr nun erstmals den Breitband-Zugang über das Kabelnetz der Cablecom überholt. ADSL erreichte einen Marktanteil von 58,8 Prozent und das Kabelmodem 41,2 Prozent.

Die Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse verdoppelte sich innert Jahresfrist auf rund 850 000. Das ist im internationalen Vergleich hinter Schweden die höchste Wachstumsrate und entspricht einer Marktdurchdringung von 11,5 Prozent. Die Schweiz liegt damit weltweit auf Rang acht. Spitzenreiter ist Südkorea mit 25 Prozent.

Trotz der positiven Entwicklung und den günstigen Aussichten in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hob die ComCom während dem letzten Jahr verschiedentlich den Warnfinger.

So hält der Regulator am Grundsatz fest, dass der Staat möglichst wenig in den Markt eingreifen soll. Die ComCom forderte deshalb wiederholt die Entbündelung der «letzten Meile» und damit Konkurrenz sowohl zwischen den Infrastrukturen als auch bei den Diensten.

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