PeopleSoft reduziert Geschäftserwartungen deutlich

18. Juli 2004, 18:20
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Warnung belastet die Titel

New York - Der US-Softwarekonzern PeopleSoft hat am Mittwoch überraschend seine Erwartungen für Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal deutlich heruntergeschraubt. Die Warnung belastete die Titel des Unternehmens vorbörslich und löste in Frankfurt auch Verkäufe der Aktien des PeopleSoft-Konkurrenten SAP aus, was den Dax ins Minus drückte.

Der feindliche Übernahmeversuch durch den US-Rivalen Oracle und die damit verbundene kartellrechtliche Auseinandersetzung hätten die Geschäfte deutlich belastet, teilte PeopleSoft mit. Dieser negative Einfluss habe nicht kompensiert werden können und wirke sich ersten Schätzungen zufolge vor allem auf die Ergebnisse des vergangenen Monats aus. Zuvor hatten bereits die US-Konkurrenten Veritas Software und JDA Software davor gewarnt, dass sie die Gewinnprognosen wohl nicht erfüllen könnten.

Schätzung unter Prognosen

PeopleSoft nannte für das zweite Quartal eine Umsatzschätzung von 655 Mio. Dollar bis 665 Mio. Dollar. Damit liegt das Unternehmen deutlich unter der Prognose von Reuters befragter Analysten von durchschnittlich 691,55 Mio. Dollar. Im abgelaufenen zweiten Quartal liege der Gewinn vor Sonderposten zwischen 0,13 und 0,15 Dollar je Aktie, teilte das Unternehmen weiter mit. Analysten haben im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 0,21 Dollar erwartet. PeopleSoft selbst hatte bisher einen Gewinn je Aktie zwischen 0,20 und 0,22 Dollar vorhergesagt.

Im vorbörslichen Handel gaben PeopleSoft-Aktien auf 14,50 Dollar von einem Vortagesschluss von 16,82 Dollar nach. SAP-Papiere notierten 2,26 Prozent im Minus, kurz vorher hatten sie noch knapp im Plus gelegen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) drehte ebenfalls leicht ins Minus. "Das ist schon eine Enttäuschung und verunsichert die Anleger in Softwarewerten insgesamt", sagte ein Frankfurter Aktienhändler in einer ersten Einschätzung. "Vielleicht kommt die erhoffte Wende bei den Umsätzen in diesem Sektor doch später als erwartet."

Stillhalteperiode

Ein SAP-Sprecher wollte sich zur aktuellen Geschäftslage nicht äußern und verwies auf die übliche Stillhalteperiode nach Ende des Quartals. SAP will seine Geschäftszahlen am 22. Juli veröffentlichen.

Erst vor einigen Tagen hat ein US-Gericht seine Anhörung im Kartellverfahren gegen den Oracle-Übernahmeversuch beendet. Es muss nun entscheiden, ob die Übernahme im Volumen von 7,7 Mrd. Dollar, wie vom US-Justizministerium kritisiert, den Wettbewerb bei Unternehmenssoftware nachhaltig einschränkt. PeopleSoft-Chef Craig Conway führte das schwache Geschäft im vergangenen Monat auch auf die für viele Kunden eher abschreckende Wirkung der ausführlichen Berichterstattung über das Kartellverfahren zurück. "Wir sind überzeugt, dass dies einen kräftigen negativen Einfluss auf unser Geschäft ausgeübt hat, mit noch größeren Folgen für diesen letzten Monat." Das Unternehmen gehe aber davon aus, dass es bald zur Normalität zurückkehren werde und diese Schäden wieder ausgleichen könne.(APA/Reuters)

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