Es geht auch anders

24. Mai 2005, 16:36
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Weitab von den großen Tourismusströmen bietet Zypern mit Wellness-Programmen und Agrotourismus Urlaub für Individualisten.

Zypern, Bilderbuch der Weltgeschichte. Ägypter und Assyrer, Phönizier und Perser, Griechen und Römer, Kreuzritter, Venezianer und Osmanen haben hier Zeugnis gelegt. Cyprus – Kupferland. Land des Schwarzen Goldes, des Johannisbrotbaums, Zedernland des Salomo, Land des Weines. In der Antike war die Insel so berühmt für den Weinbau, daß Marc Anton sie der Legende nach Kleopatra mit den Worten schenkte: „Die Süße deiner Liebe, meine Schöne, gleicht dem Weine Zyperns.“

Zypern, die grüne Insel. Am Kreuzpunkt der drei großen Florazonen Europas, Asiens und Afrikas gelegen, bietet sich dem Botaniker eine großartige Vielfalt von – teilweise auch endemischen – Pflanzen. Und zahllose Vogelarten, die alljährlich auf ihrem Zug von Afrika nach Nordeuropa und Asien über die Insel ziehen, bevölkern den Himmel.

Zypern ist eine liebliche Insel, besonders im Frühling, wenn alles blüht. Es nimmt nicht wunder, daß Aphrodite gerade hier schaumgeboren den Fluten des Meeres entstieg. Und sich auch gerade hier mit diversen anderen Göttern vergnügte. Der Aphrodite-Tempel in Páfos war in der ganzen antiken Welt berühmt, zu den aphrodisischen Mysterien kamen Pilger aus allen Teilen der hellenistischen und römischen Welt. Und auch der Verehrung Apollos, Ares’, Adonis’ und Pygmalions verdanken wir steinerne Zeugen der Anbetung.

Frühling auf Zypern ist wunderbar. Blühende Mimosensträucher legen gelbe Bänder über das Land, Bäume mit roten Blüten verströmen ihr Aroma. Für ein Bad im Meer ist es trotz des milden Klimas zwar noch zu früh, aber die größeren Hotels an der Küste verfügen alle über Hallenbäder und beheizte Swimmingpools. Zypern hat sich seit geraumer Zeit als Ganzjahres-Destination etabliert, wobei hier noch ein Hauch von Exklusivität gepflegt wird: Die Insel blieb von den üblichen Begleiterscheinungen des Massentourismus weitgehend verschont, die Hotel- und Sportanlagen wurden unter Beachtung von Umwelt- und Naturschutz errichtet. Wellness ist angesagt, die großen Hotels bieten ein reichhaltiges Angebot an Kuranwendungen (Thalassos-Therapie) mit hauseigenen Fitneß-Centern, Gymnastiktrainern und Schönheitsinstituten.

Das Ambiente ist international. Für jene, die den lohnenden kulinarischen Ausflug in die Tavernen der Umgebung scheuen, halten die Büfetts lokale und internationale Köstlichkeiten bereit. Ausgezeichnet ist auch der Wein, auf dessen Pflege man sich in den letzten Jahren wieder besonders besonnen hat.

Dazu gibt es abends live Musik- und Tanzprogramme. International, versteht sich. Die Zyprioten sind ein lustiges Völkchen, sie lieben das Feiern, Langeweile ist ihnen ein Fremdwort. Sie sind weltoffen und oft weitgereist, denn eine Universität gibt es erst seit kurzem, und so haben viele ihre Studien im Ausland absolviert. Das hat sie aufgeschlossen und selbstbewußt gemacht, zumal die unselige politische Trennung der Insel dem griechischen Süden große wirtschaftliche Anstrengungen abverlangte. Man ist stolz auf das Erreichte und die Prosperität allseits spürbar.

Individualisten sind auf Zypern keine Grenzen gesetzt. Sucht man Muße in hyperluxuriösem Ambiente, sichern den allzu Verwöhnten großartige Appartements mit eigenen Swimmingpools in märchenhaften Parklandschaften exklusive Intimität. Jenen Erholungssuchenden aber, die das Ursprüngliche lieben und den Kontakt mit Land und Leuten schätzen, erschließt Agrotourismus die Insel. Rund 30Häuser sind an diese Initiative angeschlossen, die die alten Steinbauten in den Dörfern restauriert, liebevoll pittoresk und funktionell ausstattet und dem Gast dadurch Einblick in das einfache Leben der Dorfgemeinschaft gewährleistet. Die Wohnungen stehen in verschiedenen Größen und Ausstattungen zur Verfügung. Für Familien mit größeren Kindern oder für befreundete Paare gibt es Doppel-Appartements. Kochgelegenheiten sind zwar vorhanden, für köstliche Verpflegung wird jedoch von den Frauen des Dorfes so preiswert gesorgt, daß sich der Aufwand kaum lohnt. In den günstigen Arrangements ist sogar die Miete für ein Auto inkludiert, den Transfer zum Meer besorgen Shuttle-Dienste. Man kann auch während eines Aufenthalts die Unterbringung in verschiedenen Dörfern der Kooperative in Anspruch zu nehmen. Etwa in Kalavassos, wo eine kleine Pferdefarm in ruhiger Lage Reitferien mit Ausritten und Reitunterricht anbietet.

Durch die relativ neue Initiative des Agrotourismus hat der Urlauber somit Gelegenheit, abseits der touristischen Zentren und doch mit allem Komfort inmitten der Dorfbevölkerung zu leben und so in die ländliche Gemeinschaft miteinbezogen zu werden. (Der Standard, Printausgabe)

Von Esther Hecht
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