Nummer eins zwischen Schweiz und Schwarzen Meer

18. Juli 2004, 18:29
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Gebrüder Weiss steigerten 2003 das Ergebnis auf 29,7 Millionen Euro - Niessner: "Greifen stärker auf Ostfrächter zurück" - Kritik an ÖBB-Reform

Wien - Die im Familienbesitz befindliche Vorarlberger Großspedition Gebrüder Weiss konnte im Jahr 2003 das Ergebnis um 34,8 Prozent auf 29,7 Mio. Euro steigern. Der Nettoumsatz erhöhte sich um 5,8 Prozent auf 607,2 Mio. Euro, der Cash-Flow betrug bei einem Plus von 18,6 Prozent 37,7 Mio. Euro, erklärte Konzernvorstand Paul Senger-Weiss am Mittwoch vor Journalisten. Das Eigenkapital wuchs demnach auf 119,6 Mio. Euro (plus 8,7 Prozent) an.

Heuer will der Logistikanbieter mit 44,6 Mio. Euro mehr als das Dreifache des Vorjahres investieren, den größten Brocken davon verschlinge der Umzug in den neuen Standort in Wien. Ziel sei es, in der Region zwischen der Schweiz und dem Schwarzen Meer die Nummer eins beim Landverkehr zu werden, erklärte Vorstandsvorsitzende Heidegunde Senger-Weiss. Der künftige Weiss-Chef Wolfgang Niessner möchte nach eigenen Angaben den Konzern obendrein "deutlich stärker" als Logistik-Komplettanbieter etablieren.

Neue Standorte gegründet

2003 wurden in Sofia, Arad, Bukarest, Bratislava und Ostrava neue Standorte gegründet oder modernere Flächen bezogen. Seit heuer ist das Vorarlberger Unternehmen auch in Serbien-Montenegro vertreten, "früher oder später" werde mach auch nach Bosnien gehen. Im Osten Bratislavas ist laut Weiss ein neuer Standort geplant. Insgesamt arbeiten 572 der 3.281 Weiss-Mitarbeiter in Zentral- und Osteuropa. Der Umsatz in dieser Region mache rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus. In Zukunft will das Speditionsunternehmen noch stärker auf Ostfrächter zurückgreifen.

Neben Osteuropa sind die Gebrüder Weiss intensiv in China engagiert. Zu den bestehenden zehn Standorten sollen noch weitere hinzukommen, als nächstes werde im Herbst in Yiamen ein neues Büro eröffnet.

"tectraxx" entwickeltz sich gut

Besonders gut entwickelt habe sich der Bereich "tectraxx", die Kombination aus logistischen und technischen Dienstleistungen. So werde beispielsweise auf Handys aus China erst beim Transport nach Europa die aktuellste Software eingespielt. tectraxx hat nach Weiss-Angaben im vergangenen Jahr um 300 Prozent zugelegt. Dieses Geschäftsfeld gibt es allerdings auch erst seit zwei Jahren.

Mit Jahresbeginn 2005 zieht sich die bisherige Führungsmannschaft, das Ehepaar Senger Weiss, aus dem operativen Geschäft zurück und wechselt in den Aufsichtsrat. Neuer Vorstandsvorsitzender wird der langjährige Mitarbeiter Wolfgang Niessner. Die Söhne des Ehepaares, Wolfram und Heinz, rücken in den Vorstand vor.

Kritik an ÖBB-Reform

Kritik übte Heidegunde Senger-Weiss, die sich auch weiterhin um politisches Lobbying kümmern will, an der ÖBB-Reform. Diese würde zu langsam voranschreiten, was auch daran liege, dass viele Managementposten noch nicht besetzt seien. Eine Schelte gab es auch für die Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag, die bei der Abwicklung der Lkw-Maut die Unternehmen "wie Delinquenten, aber nicht wie Kunden" behandle. Massenweise Fehlabbuchungen, wie von SP-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter behauptet, kann Senger-Weiss aber nicht feststellen.

Dass die Schreckensszenarien, die Frächter und Spediteure vor der Einführung der Lkw-Maut zu Jahresbeginn 2004 gezeichnet hatten, bisher nicht eingetreten sind, will sie relativiert sehen. So habe es bei einzelnen Rohstoffen sehr wohl massive Verteuerungen gegeben, das befürchtete Frächtersterben könne man jetzt noch nicht quantifizieren, sondern müsse man mittelfristig sehen.

Im Herbst 2003 hatte der Fachverbandes Güterbeförderung verlautet, dass durch die Lkw-Maut der Verbraucherpreisindex um 0,6 bis 0,7 Prozent steigen werde. Im Jänner 2004 sank jedoch die Inflationsrate, im Februar, März und April 2004 stieg sie jeweils um 0,1 Prozent an. (APA)

  • Ziel ist es, in
der Region zwischen der Schweiz und dem Schwarzen Meer die Nummer
eins beim Landverkehr zu werden
    foto: weiis logistics

    Ziel ist es, in der Region zwischen der Schweiz und dem Schwarzen Meer die Nummer eins beim Landverkehr zu werden

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