Chlodwig Poth 74-jährig gestorben

13. Juli 2004, 12:01
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Deutscher Karikaturist war Mitbegründer der "Neuen Frankfurter Schule" - Sein Kollege Bernd Pfarr verstarb Dienstag 45-jährig

Frankfurt/Main/Zürich - Knapp zwei Tage nach dem Ableben des deutschen Karikaturisten Bernd Pfarr verstarb auch ein älterer und prominenterer langjähriger Kollege der "Neuen Frankfurter Schule", Chlodwig Poth.

Wie das Frankfurter Museum Caricatura am Donnerstag mitteilte, starb der Karikaturist, Zeichner und Autor am Donnerstagmorgen nach langer schwerer Krankheit in Frankfurt, wo der am 4. April 1930 in Wuppertal geborene Poth seit den 50er Jahren lebte. Der 74-Jährige war er Mitbegründer der satirischen Zeitschriften "Pardon" und "Titanic". Bekannt wurde er durch sein Werk "Mein Progressiver Alltag" (1975).

"Journalist und Dokumentarist"

Bevor sich Poth mit Zeichnungen, Hassblättern, Ölbildern, Romanen, getuschten Aquarellen, Hörspielen, Märchen und Kurzgeschichten einen Namen machte, suchte er sich sein Publikum in Luftschutzkellern. Er griff Themen wie Hunger und Krieg, später Amis und Russen auf. Seine erstes "Ein-Mann-Magazin" hieß 1947 "Der Igel". Der Wilhelm-Busch-Bewunderer fühlte sich als "Journalist und Dokumentarist, der seine direkte Umwelt darstellt" - von Moden über Werbung und Redensarten bis hin zu Alternativmilieu-Studien.

Besonders eng verbunden fühlte er sich seinem Kollegen und Mitgründer bei "Pardon" (1962) und "Titanic" (1979), Hans Traxler. Mit anderen zusammen zählten sie zur Neuen Frankfurter Schule, die im Gegensatz zur Frankfurter Schule von Adorno und anderen nie "Fraktions- und Flügelkämpfe oder Ausschlüsse kannte".

Bernd Pfarr 1959-2004

Der Frankfurter Karikaturist und Maler Bernd Pfarr ist nach Angeben seines Verlags Kein & Aber am Dienstag im Alter von 45 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Zur bekanntesten Buch-Figur Pfarrs wurde "Sondermann", ein skurriler Buchhalter.

Pfarr, der 1978 mit Zeichnungen für das Satire-Magazin "Titanic" und den "Stern" sowie das "Zeit-Magazin" seine Karriere begann, wurde der "Neuen Frankfurter Schule" zugerechnet. Dazu gehören bekannte Künstler wie Robert Gernhardt, Hans Traxler oder F.K. Waechter. Hervorragende Kritiken erhielt sein Ende vergangenen Jahres zusammen mit Hans Zippert vorgelegtes Buch "Wenn Tiere verreisen".

Der Karikaturist illustrierte auch Buchtitel wie eine Erich-Kästner-Gesamtausgabe (1998) oder Elke Heidenreichs Kinderbuch "Sonst noch was" (1999). Pfarr erhielt 1998 für sein Werk den Max-und-Moritz-Preis. Unter dem Titel "Komische Kunst" widmete dieses Jahr das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover Pfarrs Comic-Bildern eine Ausstellung. (APA/dpa)

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    Chlodwig Poth

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