Fourniret wurde drei Mal festgenommen aber immer freigelassen

9. Juli 2004, 12:47
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Kritik an der Polizei - Gewaltverbrecher soll an Frankreich ausgeliefert werden

Paris/Brüssel - Die Kritik an der Polizei in Belgien wird immer lauter. Beamte haben den Gewalttäter mindestens drei Mal festgenommen, ihn aber immer wieder frei gelassen. Eurocop-Chef Heinz Kiefer kritisierte im Fall Fourniret "große Lücken" bei der grenzüberschreitenden Polizeiarbeit.

In Frankreich sollen an die 30 ungeklärte Mord- und Vermisstenfälle auf eine Verbindung zu Fourniret geprüft werden. Der Franzose hat bisher neun Morde in Belgien und Frankreich zugegeben. Weitere Fälle in diesen Ländern sowie in den Niederlanden und Dänemark werden gegenwärtig überprüft.

Waffenschmuggel, Exhibitionismus und Entführungsversuche

Trotzdem Fourniret mehrmals festgenommen wurde, fand die Staatsanwaltschaft die Beweise jeweils zu schwach für einen Haftbefehl, berichtete die flämische Zeitung "De Standaard" am Dienstag. 1996 sei der Gewalttäter wegen Waffenschmuggels und Exhibitionismus festgenommen worden. Dann fiel er wegen zwei missglückter Entführungen in den Jahren 2000 und 2001 auf. Es sei unklar, ob die Franzosen seinerzeit auf Fournirets Vorstrafen hingewiesen hätten, schrieb die belgische Zeitung "De Morgen".

Umzug

Heinz Kiefer, Präsident der Europäischen Polizei-Konföderation (Eurocop), kritisierte in Luxemburg, offensichtlich sei es möglich, dass sich Kriminelle durch einen Umzug innerhalb der EU der Beobachtung durch die Polizei entziehen können. Diese Lücke sollte möglichst bald durch ein Europäisches Strafregister geschlossen werden.

Prozess vermutlich in Frankreich

Das Pariser Justizministerium erwägt, die Ermittlungen zum Fall des 62-jährigen Fourniret gebündelt bei dem Untersuchungsrichter von Charleville-Metieres anzusiedeln. Mehrere Zeitungen gingen am Dienstag davon aus, dass der Sexualstraftäter bald von Belgien an Frankreich ausgeliefert werde. Damit dürfte ein späterer Prozess gegen Fourniret in Frankreich abgewickelt werden.

Suche ohne weitere Erfolge

Die französische Polizei hat am Dienstag trotz intensiver Suche keine weiteren Opfer des geständigen Serienmörders Michel Fourniret gefunden. Westlich von Paris hatten Beamte auf zwei Grundstücken, auf denen Fourniret gelebt hatte, nach Leichenteilen gegraben.

Zwei Leichenfunde auf dem Schlossgrund

In dem Ardennen-Schloss Sautou des 62-Jährigen waren am vergangenen Samstag zwei weibliche Leichen ausgegraben worden. Auch im Burgund bei Auxerre könnte nach Justizangaben bald nach einem Opfer des Sexualstraftäters gesucht werden. Die Ermittler gruben am Dienstag im Garten eines kleinen Hauses im Zentrum von Clairefontaine, das Fournirets zweiter Ehefrau gehört hatte, fanden jedoch nichts.

Aufgeschreckt durch die Berichte über den mutmaßlichen Serienmörder hatte eine frühere Bewohnerin der Polizei berichtet, vor mehreren Jahren in einem Schacht im Garten Stofffetzen gesehen zu haben. Daneben inspizierten die Ermittler das Gelände eines Hauses in dem zu Clairefontaine gehörenden Paincourt. In diesem Haus hatte Fourniret von 1966 bis 1984 als Tischler gelebt.

Weitere Beweise fehlen

Staatsanwalt Arnoud d'Aspremont Lynden aus Dinant teilte am Dienstag mit, den belgischen Fahndern fehlten bisher Beweise für weitere vermutete Taten des vorbestraften Fourniret. Das zuständige Gericht in Dinant, wo Fourniret seit Juni 2003 wegen eines Entführungsversuchs inhaftiert ist, hat die Untersuchungshaft am Dienstag um einen Monat verlängert.

Beihilfe

Fourniret hat seiner Frau Monique Olivier eine aktive Mithilfe bei seinen Taten vorgeworfen. Er habe sie 1987 zum Anlocken eines 17 Jahre alten Mädchens im Südosten Frankreichs aufgefordert, berichtete der belgische Radiosender Bel-RTL unter Berufung auf die Verhöre. Die ebenfalls verhaftete Ehefrau wiederum ließ ihren Anwalt Pierre Barthelemy wissen, sie bereue ihre Enthüllungen über die blutigen Taten ihres Mannes nicht. Ihr wird Beihilfe vorgeworfen. (APA/dpa)

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    Michel Fourniret wurde mehrmals festgenommen - für einen Haftbefehl waren die Vorwürfe jedoch zu schwach

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