Deutsches Maut-Debakel könnte Betreiber 4 Milliarden Euro kosten

15. Juli 2004, 10:39
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Gutachten hat höheren Betrag als die bisher bekannten 3,7 Milliarden Euro errechnet

Im Schiedsgerichtsverfahren um die

Milliardenausfälle durch die Lkw-Maut wird der deutsche

Verkehrsminister Manfred Stolpe einem Medienbericht zufolge

voraussichtlich mehr Geld fordern als die bisher bekannten 3,7 Mrd.

Euro. Unter dem Strich könnte die Forderung an das Konsortium bei rund 4 Mrd. Euro liegen, berichtet die "Financial Times

Deutschland" am Mittwoch unter Berufung auf das wissenschaftliche

Gutachten zu den Einnahmeausfällen, das Stolpe beim Basler Institut

Progtrans in Auftrag gegeben hatte.

Schwere technische Probleme

"Wenn die Gutachter einen höheren Betrag errechnen, müssen wir ihn

auch fordern", sagte dazu ein Sprecher Stolpes der Tageszeitung. Mit

der Expertise wolle Stolpe seine Forderung nach Schadensersatz für

die Einnahmeausfälle "wissenschaftlich untermauern". Das Konsortium Toll

Collect um DaimlerChrysler und Deutsche Telekom hatte sich vertraglich

verpflichtet, die Maut ab 31. August 2003 zu erheben. Wegen schwerer

technischer Probleme war der Start auf 1. Januar 2005 verschoben

worden.

Mehr LKWs

Nach Informationen des Blattes stellten die Ökonomen fest, dass

die aktuellen Verkehrsdaten erheblich von den alten Werten von 1995

abweichen, die Stolpes erster Kalkulation zu Grunde lagen: Auf

deutschen Autobahnen führen heute wesentlich mehr Lastwagen deutlich

längere Strecken. Zu verzeichnen sei eine Verschiebung von der

Landstraße zur Autobahn sowie von leichten und mittelschweren Lkw zu

Schwerlastern. Daraus ergebe sich aus dem Gutachten, dass die bisher

kalkulierten 3,7 Mrd. Euro "sehr gering" seien.(APA/dpa)

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