Eine Million irakische Bürger fielen Saddam zum Opfer

8. Juli 2004, 13:51
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Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert Zusammenarbeit westlicher Staaten mit Baath-Regime

Göttingen - Nach der Vorführung des irakischen Diktators Saddam Hussein vor einen irakischen Haftrichter hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an die Schuld des Baath-Regimes und seines Führers erinnert. Etwa eine Million irakische Bürger aller Nationalitäten und religiösen Gemeinschaften seien Saddam zum Opfer gefallen.

"Anfal-Offensive"

Allein im Nordirak seien in den vergangenen 35 Jahren rund eine halbe Million Kurden vernichtet worden. 182.000 davon wären bei der so genannten "Anfal-Offensive" 1987/88 entweder durch den Einsatz chemischer Kampfstoffe oder bei Massenerschießungen gestorben. (Al-Anfal ist der Name einer Koran-Sure und bedeutet sinngemäß "legitime Beute"). Der Organisator der Anfal-Offensive, der Cousin Saddam Husseins, Ali Hassan Al-Majid ("Chemical Ali"), hätte 100.000 Opfer eingestanden.

Vertreibung der jüdischen Gemeinde

Organisationen der Schiiten im Südirak würden 300.000 Tote seit 1991, unter ihnen 9.000 Geistliche, beklagen. Nach der planmäßigen Austrocknung der Marschen des Euphrat- und Tigris-Deltas seien etwa 500.000 so genannte Marsch-Araber vertrieben worden. Zehntausende seien bei Bombardements, durch Exekutionen und auf der Flucht ums Leben gekommen. Bereits Mitte der 70-er Jahre habe die Baath-Partei die nur noch 3.000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft nach öffentlichen Hinrichtungen und Verfolgungen "fast ausnahmslos" aus dem Lande gejagt, so GfbV.

Massaker und Hinrichtungen

Weiteren Massakern und Hinrichtungen seien Vertreter aus allen Oppositionsparteien, Intellektuelle und Angehörige der Arbeiter- und Frauenbewegung zum Opfer gefallen. Zahlreiche Emigranten seien in ihrem Gastland von irakischen Agenten ermordet worden. Saddam Hussein habe Tausende Angehörige des Regimes, darunter Diplomaten, Geheimdienstler, Mitglieder des Offizierkorps und sogar seiner Republikanischen Garden sowie seiner Familie liquidieren lassen.

Die GfbV kritisiert, dass die westeuropäischen Staaten, die USA, die damalige Sowjetunion und ihre Satelliten - insbesondere die DDR -, viele dieser Verbrechen durch Lieferungen von Waffen und militärischem Know-how, durch enge diplomatische, ökonomische und politische Zusammenarbeit erst ermöglicht hätten. 86 Firmen aus der Bundesrepublik Deutschland hätten wesentlichen Anteil am Aufbau der irakischen Giftgasindustrie gehabt. (APA)

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