Sozialreformen umstritten

8. Juli 2004, 21:40
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"Plattform für Soziales in Wien" und Ärzte gegen Reformpläne

Was die Versorgung von sozial Bedürftigen oder älteren Menschen anlangt, gärt es in Wien seit Monaten. Zum einen wollen Gewerkschafter, Betriebsräte und Behindertenvertreter, die sich zur "Plattform Soziales in Wien" zusammengeschlossen haben, die Verschlechterung von Arbeitsbedingungen verhindern, andererseits spricht sich die Wiener Ärztekammer nach dem "Pflegeskandal" dagegen aus, dass bestehende Geriatriezentren in Pflegeheime umgewandelt werden.

Ärztekammerpräsident Walter Dorner argumentiert, dass damit eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung einhergehe, weil in Pflegeheimen nicht rund um die Uhr Ärzte und Ärztinnen anwesend seien.

Qualitätsstandards bei den Sozialleistungen

Die "Plattform Soziales in Wien" bezieht ihre Forderungen nach Absicherung der Arbeitsbedingungen auf die soeben vollzogene Ausgliederung der Sozialagenden aus der Verwaltung der Stadt Wien. Es müssten auch Qualitätsstandards bei den Sozialleistungen eingeführt werden, da viele verschiedene Organisationen (z.B. Volkshilfe, Caritas) Sozialleistungen erbringen und diese vergleich- und kontrollierbar sein müssen.

Hintergrund dieser Forderung ist der totale Umbau des Sozialwesens in Wien. Statt wie bisher der Magistrat ist ab sofort der "Fonds Soziales Wien" dafür zuständig. Konkret: Wenn jemand eine Heimhilfe für seine kranke Oma beantragt, ist der Fonds der Ansprechpartner für die Angehörigen, nicht mehr die städtische Verwaltung. Die Heimhilfe selbst kommt dann etwa von der Caritas, die mit dem Fonds vertraglich verbunden ist. Trotz der totalen internen Umorganisation der Sozialagenden bleiben die Amtswege für die Betroffenen wie bisher, wird beteuert. Die SPÖ hat diese Reform im Wiener Gemeinderat beschlossen. Argument: Kosten sparen. (aw/DER STANDARD; Printausgabe, 7.7.2004)

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