Alternativer Sturm auf Ungarn

13. Juli 2004, 10:32
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Am ungarischen Telekommunikationsmarkt ist Marktführer Matav quasi Alleinherrscher - Mithilfe der EU wollen die Alternativanbieter die Dominanz jetzt durchbrechen

Der ungarische Telekommunikationsmarkt ist ein hartes Pflaster: Bisher bissen sich die Alternativanbieter an Platzhirsch Matav die Zähne aus. Obwohl der Markt bereits vor mehreren Jahren liberalisiert wurde, konnten die Alternativen bis jetzt im Bereich der Businesskunden kaum Fuss fassen. Im Privatkundensegment steht mit Invitel gar nur ein einziges Unternehmen der Dominanz von Matav gegenüber.

EU bringt Wettbewerb

Erleichterung erhoffen sich die Alternativanbieter jetzt durch die Wettbewerbsregeln der Europäischen Union. In allen neuen Mitgliedstaaten werden die Märkte einer nicht unkomplizierten Analyse unterzogen. "Wir definieren bis zu 25 verschiedene Marktsegmente", erklärt Reinald Krüger von der Wettbewerbsdirektion der EU-Kommission, "und untersuchen die genaue Situation im Hinblick auf eine mögliche Monopolstellung eines Anbieters." In Ungarn soll dieser Analyseprozess bis Herbst abgeschlossen sein. Wird dabei ein Mangel an Wettbewerb in einem oder mehreren Segmenten konstatiert, werden dem Marktdominator verschiedene Maßnahmen verordnet - etwa die Zugänglichkeit zur eigenen Infrastruktur für die Alternativen zu verbessern.

Genau diese schlechte Zugänglichkeit ist es, die den Alternativen derzeit in Ungarn das Leben schwer macht. "Matav ist zu einem Teil in der Hand der Deutschen Telekom - da haben sich natürlich zwei Monopolisten gefunden", meint Alfred Pufitsch vom Alternativanbieter Colt Telecom, der gerade eine Ausweitung des Engagements in Budapest bekannt gab. Die Erleichterung des Zugangs zu bereits vorhandener Infrastruktur sei notwendig, um höherwertige Datendienstleistungen anbieten zu können (siehe Kasten "Bitstrom-Zugang" unten).

Der durch die EU-Maßnahmen erwartete Liberalisierungsschub ist aber nicht der einzige Grund, warum Pufitsch gerade den jetzigen Zeitpunkt als ideal für den Einstieg in Ungarn erachtet: "Der Markt ist unglaublich potent. Mit 3,4 Milliarden Euro Telekommunikationsausgaben jährlich weisen Ungarns Unternehmen nach Polen den zweithöchsten Wert in ganz Osteuropa auf."

Starke Alternativen

Der polnische Markt ist es auch, in den Pufitsch die größten Erwartungen setzt. "In Polen ist die Wettbewerbssituation die lebendigste in ganz Osteuropa, was sich auch in der hohen Zahl alternativer Telekommunikationsanbieter ausdrückt." Im Jahr 2003 gab es in Polen 85 verschiedene Provider - die Werte in den übrigen mittel- und osteuropäischen Ländern liegen zwischen 20 und 30.

Ebenfalls hoffnungsfroh blickt man bei Colt nach Prag: "Die Czech Telecom hat sich als modernes, innovatives Unternehmen positioniert. Das Wholesale-Angebot an die Alternativanbieter ist durchaus fair", lobt Pufitsch den Liberalisierungsgrad in Tschechien. Entsprechend rosig ist die Situation für Alternativprovider: Sie halten bereits bei über 20 Prozent Marktanteil, Tendenz steigend. (Angelika Slavik aus Budapest)

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