Kongo: Rebellen sollen Massaker an Pygmäen verübt haben

8. Juli 2004, 16:15
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NGO: Milizen der Parteien der Vizepräsidenten beteiligt

Brüssel - Die NGO "Minority Rights Group International" wirft Rebellengruppen in der Demokratischen Republik Kongo vor, Massenmord an der Gruppe der Mbuti-Pygmäen begangen zu haben. Die Vorfälle sollen sich in den rohstoffreichen Regionen Ituri und Kivo im Nordosten des Landes ereignet haben.

Beschuldigt, an den Gräueltaten beteiligt gewesen zu sein, werden die ehemaligen Rebellengruppierungen "Kongolesische Befreiungsfront" (MLC) und "Bewegung für Demokratie" (RCD). Die MLC ist die Partei des Vizepräsidenten Jean-Pierre Bemba. "Die Täter sollten verfolgt und bestraft werden, egal wie hoch ihre Ämter sind", fordert Mark Lattimer, Direktor der NGO.

Gewalttaten in der Ituri-Region würden untersucht, so Thomas Luhaka, Generalsekretär der MLC, zur Nachrichtenagentur Reuters. "Wer des Kannibalismus oder des Massenmordes verdächtigt wird, muss sich vor einem Gericht und den Medien verantworten", so Luhaka weiter. Details zu Verurteilungen oder Strafen gab er nicht. "Sollten kriminelle Individuen vor den Internationalen Gerichtshof gestellt werden, wird die MLC sie nicht beschützen." Ausländische oder nationale Akteure sollten die Vorfälle aber nicht politisch gegen die MLC verwerten.

Bemba ist einer von vier Stellvertretern von Präsident Joseph Kabila. Auch die zweite ehemalige Rebellengruppe, die RCD, stellt einen Vize. Die Übergangsregierung wurde vergangenes Jahr eingesetzt, um die ersten demokratischen Wahlen in der - von blutigen Auseinandersetzungen geprägten - Geschichte des Landes zu ermöglichen.

Seit Juli 2002 verfolgt der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag Verbrechen im Kongo. Die "Minority Rights Group International" fordert den Ankläger des IGH auf, zu ermitteln. UN-Friedenstruppen sollen die Pygmäen beschützen. Bereits seit 1998 informiere die Menschenrechtsorganisation den IGH über Massenmord, Kannibalismus und Vergewaltigung an Mitgliedern der Mbuti-Pygmäen. (APA/Reuters)

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