Die liebe Familie mit dem unrunden Ball

11. Juli 2004, 13:21
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Die Vikings wollen Footballgeschichte schreiben und nehmen am Samstag den dritten Anlauf, die Eurobowl zu gewinnen

Wien - Karl Wurm ist stolz. Soeben sind die Cheerleader der Chrysler Vienna Vikings, denen Wurm als Präsident vorsteht, mit zwei siebenten Plätzen von der Cheerleader-EM in Stockholm zurückgekehrt. "Sehr anständig", lobt Wurm, schließlich stehen die Cheerleader oft genug im Schatten der Footballer. Ebenjene, die Vikings, haben sich längst etabliert, der Vormarsch soll am Samstag (Hohe Warte, Kickoff 17 Uhr) im Gewinn der Eurobowl gipfeln.

Am Samstag soll's passen ...

Die Vikings haben zwei Endspiele verloren, 2001 gegen die Bergamo Lions, die es auch am Samstag wissen wollen, und im Vorjahr gegen Braunschweig, nachdem im Semifinale ein sensationelles 34:33 über Bergamo geglückt war. Am Samstag soll's passen, historisch wird das Match so oder so. Der ORF will erstmals ein Footballmatch mit - sage und schreibe - acht Kameras übertragen (auf TW1), außerdem soll das Herbert-Prohaska-EM-Analyse-Gerät zum Einsatz kommen (ohne Herbert Prohaska), und so sind erstmals hierzulande TV-Breaks während eines Footballspiels geplant. Österreich rückt Amerika immer näher, bei uns wird halt analysiert, dort wird geworben.

Auf der Hohen Warte werden die Zuseher von einem sechs Meter hohen aufblasbaren Footballer empfangen, der den Vikings von der NFL Europe zur Verfügung gestellt wird. Klubchef Wurm erwartet 7000 Fans und verweist stolz darauf, dass die Vikings heuer in acht Heimspielen einen Schnitt von 3800 Besuchern erreichten. Die Footballer nennen sich selbst "eine große Familie", in der Große und Kleine, Dicke und Dünne zusammenhalten.

Die körperlichen Unterschiede der einzelnen Spieler ergeben sich aus ihren unterschiedlichen Aufgaben. Wer wie Norbert Baumberger in der Defensive Line dem Ansturm der gegnerischen Offense standhalten muss, der bringt bei 1,95 Metern Körpergröße schon einmal 145 Kilogramm auf die Waage. Ein Defensive Back wiederum passt auf die gegnerischen Passfänger auf, er muss schnell und wendig sein, ihm können. wie etwa Daniel Fettner, auf 1,68 Meter verteilte 70 Kilogramm reichen. Baumberger: "Wir haben nicht elf Monate lang trainiert, um dieses Spiel zu verlieren." Fettner: "Wir werden Geschichte schreiben."

Pass- gegen Laufspiel

Die Eurobowl ist das Champions-League-Finale der Footballamateure, die Bergamo Lions trugen schon drei Siege davon. In ihren Spielen tragen sie oft auch den Ball davon, ihre Domäne ist das Laufspiel, während die Vikings gerne auch den Pässen von Quarterback Shawn Olson vertrauen. Kürzlich haben die Tyrolean Raiders den EFAF-Cup (quasi UEFA-Cup) gewonnen, nun wollen die Wiener nachziehen. Eine Woche später treffen sich Österreichs Spitzenteams zur Austrian Bowl. Aber das ist eine andere Geschichte. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 7. Juli 2004, Fritz Neumann)

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