Neuer Vorstoß für offenen Sonntag

14. Juli 2004, 11:20
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Debatte um flexible Arbeitszeiten ruft auch Verfechter längerer Ladenöffnungszeiten auf den Plan - SCS-Betreiber fordern Testsonntage - Politik winkt noch ab

Wien/Vösendorf - Einen neuen Vorstoß in Richtung Sonntagsöffnung unternehmen die Betreiber der Shopping City Süd (SCS), Europas größtem Einkaufszentrum. In der Einkaufsstadt vor den Toren Wiens sollen die rund 300 Geschäfte künftig auch an Sonntagen offen bleiben. Das Kompromissangebot an Politik und Gewerkschaft: Es sollen vorerst nur einzelne Testsonntage sein, an denen die Geschäfte offen bleiben, und auch an diesen Sonntagen nur für jeweils vier Stunden.

"14.00 bis 18.00 Uhr wäre vernünftiger Zeitraum"

Christoph Adamek, Geschäftsführer der SCS-Verwaltung und SCS-Holding-Vorstand sagte zum STANDARD: "Ideal wäre es, wenn schon heuer im Dezember der erste Versuch gemacht werden könnte. Wir wollen an einzelnen Sonntagen übers Jahr verteilt zwischen 14.00 Uhr und 18.00 Uhr offen halten dürfen. Das wäre ein vernünftiger Zeitraum, der auch unter der Woche kompensierbar ist."

Adameks Hauptargument: "Die Öffnungszeiten sollen in die Freizeit der Menschen fallen." Etliche Berufsgruppen würden seit jeher auch am Sonntag arbeiten, das müsse unter dem Stichwort Arbeitszeitflexibilisierung endlich auch für den Handel gelten.

Viel Widerstand

Widerstand gibt es bisher allerdings mehr als Unterstützung. Ausgelöst hat die SCS-Überlegungen der Möbelriese Ikea, der ebenfalls am Standort SCS mit Testsonntagen vorpreschen will.

Gewerkschaft, Kirche, FPÖ und etliche Händler - aus Kostenüberlegungen - sind gegen die Sonntagsöffnung. Selbst im Wiener Donauzentrum (DZ) wartet man den Ausgang der Diskussion eher zurückhaltend ab. DZ-Geschäftsführer Ingo Hödl: "Das muss sich auch rechnen. Es macht einen Unterschied, ob man einen einzelnen Möbelmarkt oder ein voll klimatisiertes Einkaufszentrum offen hält."

Die niederösterreichische Landesregierung ist ebenfalls gegen eine Ausweitung der Ausnahme, wonach schon bisher reine Familienbetriebe in Tourismusgebieten am Sonntag geöffnet sein dürfen. Für Salzburg will die neue Landeshauptfrau Gabi Burgstaller diese Möglichkeit nun flächendeckend den Familienbetrieben anbieten.

Bartenstein winkt ab

Gegen die generelle Sonntagsöffnung ist aber auch Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, in dessen Kompetenzbereich die Sonntagsruhe des Arbeitszeitgesetzes fällt.

Im STANDARD-Gespräch erteilt der Minister den SCS-Wünschen eine klare Absage. "Der Sonntag steht für mich nicht zur Diskussion." Der Ball liege bei den Ländern, so Bartenstein. Diese könnten bei "besonderem regionalem Bedarf" auch an Wochenenden und Feiertagen ein Offenhalten der Geschäfte erlauben. Sollten Arbeitnehmer beschäftigt werden müssen, und das ist in der SCS mit mehr als 4000 Angestellten der alles entscheidende Punkt, muss aber nach derzeitiger Rechtslage ein "außergewöhnlicher Bedarf" bestehen, was etwa bei Gütern des täglichen Bedarfs (Stichwort: Bahnhofshops) der Fall sein kann. Bartenstein: "Über den Tourismus hinaus ist der Sonntag gesetzlich nicht abgedeckt."

So blühen "Umgehungsgeschäfte": Im Virgin Megastore, in dem auch Sonntags geöffneten Entertainment-Teil des Donauzentrums, können Kunden gustieren und bestellen, offiziell aber nicht einkaufen. Geliefert und bezahlt wird unter der Woche. Oder: Ein Händler mit Gastronomiekonzession macht am Sonntag eine Cafeteria auf und die Kunden gustieren im "Schauraum", sprich dem normalen Geschäft. Lieferung folgt. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

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