"Leidenschaft für Solidarität"

7. Juli 2004, 10:56
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Kardinal Schönborn zelebrierte Gottesdienst im Stefansdom - Politikprominenz zahlreich vertreten

"Mit seiner Leidenschaft und seinem Einsatz für Solidarität hat Bundespräsident Thomas Klestil immer schon gezeigt, dass er viel von der Mitte des Christentums verstanden hat." So beschreibt der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner im STANDARD-Gespräch das Verhältnis des Bundespräsidenten zur römisch-katholischen Kirche.

Was vielen Christen widerfährt, gelte auch für Klestil: "Durch seine Wiederverheiratung lebte er partiell im Konflikt mit den Geboten seiner Kirche", so Zulehner. Wobei auch Papst Johannes Paul II. festgehalten habe, dass "die Kirche dem Betroffenen nie das Gefühl geben darf, er wäre von ihr getrennt". Insofern sei der Besuch von Kardinal Christoph Schönborn bei Klestil "ein deutliches Signal gewesen".

Schönborn hat Klestil am Montagabend das Sakrament der Krankensalbung gegeben. Dienstagabend las er, kurz vor dem Tod von Klestil, im Wiener Stephansdom eine Messe für das Staatsoberhaupt. Die Verbundenheit mit Klestil wollte man auch seitens der Caritas deutlich zeigen. Schönborn betonte in seiner Predigt, es sei wichtig, Klestil auf "jenem letzten Wegstück" zu begleiten, das aus dieser Welt in die Ewigkeit führe. An dem Gottesdienst nahmen zahlreiche Regierungsmitglieder teil, an der Spitze Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Auch der Nachfolger Klestils, Heinz Fischer, sowie sei Vorgänger Kurt Waldheim waren im Stephansdom erschienen.

Caritas-Direktor Michael Landau unterbrach seinen Urlaub, um bei der Messe anwesend sein zu können.

"Es ist wichtig, den Bundespräsidenten wie jeden Menschen in dieser Situation Gott im Gebet zu empfehlen und seiner Familie die Verbundenheit im Gebet zum Ausdruck zu bringen", meinte Landau im Gespräch mit dem STANDARD. Seine Teilnahme sei auch als "Ausdruck des Dankes" zu verstehen: "Klestil hat viele Dinge in sozialer Hinsicht sehr gut gemacht." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

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    An dem Gottesdienst nahmen zahlreiche Regierungsmitglieder teil, an der Spitze Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Auch der Nachfolger Klestils, Heinz Fischer, sowie sei Vorgänger Kurt Waldheim waren im Stephansdom erschienen.

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