Offensiv informieren - von RAU

6. Juli 2004, 18:47
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Parlamentspräsident Andreas Khol bekrittelte, dass im Falle von Thomas Klestils schwerer Erkrankung die "ärztliche Schweigepflicht" nicht eingehalten worden sei. Das ist, mit Verlaub, sehr gestrig. In der Mediengesellschaft lässt sich ohnehin nichts wirklich geheim halten und wenn man es versucht, blühen die Gerüchte. Die Ärzte des AKH haben sich - sicher in Absprache mit der Familie - zu einer "offensiven Informationspolitik" entschlossen, es wurde ein kompetenter Sprecher, Prof. Christoph Zielinski, nominiert, der in der gebotenen Klarheit sagt, wie ernst der Zustand des Bundespräsidenten ist:

"Die Überlebenschancen schwinden." Wenn man sich erinnert, zu welchen diagnostischen Verbiegungen die Ärzte des amtierenden Kanzlers Kreisky bereit waren, obwohl er zuletzt mit Nierenversagen an die Dialyse angeschlossen wurde; oder an den Auftritt von Prof. Graninger anlässlich von Klestils erster schwerer Erkrankung 1996 - man werde doch nicht den Kanzler informieren, wenn man den Präsidenten in Tiefschlaf versetze, weil "wir werden übers Wochenende ja kaum der Ukraine den Krieg erklären"; dann muss man froh sein über eine realistische, aber nicht pietätlose Informationspolitik. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

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