Preise steigen wieder, Tankfüllung um 1,50 Euro teurer

18. Juli 2004, 19:44
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Benzin kostet seit Dienstag um bis zu drei Cent je Liter mehr, Diesel um bis zu vier Cent - Preiskurve zeigt nach oben

Wien - Kurz vor Beginn der zweiten Urlaubsreisewelle an diesem Wochenende müssen Autofahrer in Österreich wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Mineralölkonzerne haben am Dienstag die Preise für Benzin um bis zu drei Cent je Liter angehoben, jene für Diesel um bis zu vier Cent.

Begründet wird die Verteuerung mit den gestiegenen Produktenpreisen am Spotmarkt in Rotterdam (siehe Wissen). Von Dienstag vergangener Woche bis Montag dieser Woche ist der Preis der Tonne Eurosuper von 310 Dollar auf 355 Dollar geklettert, das ist ein Plus von 14,5 Prozent. Die Tonne Diesel hat sich im Vergleichszeitraum um 8,4 Prozent von 273 auf 296 Dollar verteuert. "Und die Preiskurve geht weiter hinauf", sagte ein OMV-Sprecher dem STANDARD.

Ölpreis klettert weiter

Tatsächlich ist der Preis der für Europa maßgeblichen Nordseesorte Brent am Dienstagvormittag um knapp 60 Cent auf 36,52 Dollar je Fass (159 Liter) hinaufgeschnellt. Erst am Nachmittag gab der Preisdruck etwas nach, Brent notierte bei 36,40 Dollar je Fass - 0,48 Cent über dem Schlusskurs von Montag.

Den neuerlichen Anstieg der Ölpreise, der vor fünf Tagen eingesetzt hat, bringen Marktbeobachter mit dem um mehr als die Hälfte reduzierten Export von Rohöl aus dem Irak in Zusammenhang. Nach Angriffen auf Ölleitungen in dem Golfstaat am Wochenende reduzierte sich das irakische Exportvolumen aus dem Süden auf weniger als eine Mio. Fass pro Tag. Die Sabotageakte zielten auf eine strategisch wichtige Pipeline, die die Ölfelder im Norden des Landes mit den Ausfuhrterminals im Süden verbindet. Die Reparaturen der Ölleitungen könnten nach Einschätzung von Experten noch bis zu vier Tagen andauern.

Verunsicherung

Auch angedrohte Streiks in der Ölindustrie Nigerias sowie mögliche Exportkürzungen des angeschlagenen russischen Produzenten Yukos trugen Händlern zufolge zum Anstieg der Preise bei. Yukos hat mögliche Exportkürzungen allerdings umgehend dementiert (siehe Bericht rechts).

Druck auf die Ölpreise hätten aber auch Spekulationen ausgelöst, wonach die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die bei ihrem Meeting in Beirut angekündigte Ausweitung der Ölproduktion verschieben könnte.

Kritik an Verteuerung

Die jüngste Verteuerung der Treibstoffe betrifft niedrigpreisigere Tankstellen - bei der OMV etwa 500 (80 Prozent) der insgesamt 625 blau-grünen Abgabestationen. Die Höchstpreise bleiben nach Angaben des österreichischen Marktführers unverändert und lauten wie folgt: Normalbenzin 0,974 Euro je Liter, Eurosuper 0,994 Euro, Super plus 1,054 Euro und Diesel 0,864 Euro je Liter.

Die Autofahrerklubs kritisierten die jüngsten Erhöhungen. "Preisverteuerungen an den internationalen Märkten bekommen die Autofahrer in Österreich sehr rasch zu spüren, Verbilligungen dagegen gehen fast spurlos an Österreich vorbei", hieß es beim ARBÖ. Als an den Spotmärkten zwischen 14. Mai und 11. Juni dieses Jahres die Notierungen für Eurosuper um 17,5 Prozent fielen, sei diese Verbilligung vier Wochen lang nicht weitergegeben worden. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

WISSEN: Spotmarkt, ein Kind der Ölkrise

Der "berühmte" Spotmarkt entwickelte sich nach der Ölkrise 1973-74. Vorher wurden rund fünf Prozent des Handels als Restmenge im Spotmarkt verkauft. 95 Prozent der Ölproduktion wechselten auf Basis langfristiger Verträge die Besitzer. Langfrist­verträge haben den Vorteil, dass Erzeuger und Abnehmer besser planen können. Nachteilig ist die Unflexi­bilität des Systems in Zeiten wirtschaft­licher Veränderung. In solchen Perioden ist das Spothandels­system vorteilhaft. Denn der Spothandel erlaubt Geschäfte mit tages­aktuellen Preisen. Während in den Neunziger­jahren rund 50 Prozent der Produktion im Spot gehandelt wurden, waren es zwischen 1983 und 1985 etwa 80 bis 90 Prozent der Ölmengen. Der Boom wurde durch Über­kapazitäten und Veränderungen des Marktgefüges zwischen den großen Mineralöl­firmen und den Opec-Ländern entfacht. Letztere warfen nach Verlusten von Markt­anteilen ihre Mengen auf den Spotmarkt. Der größte Spotmarkt in Europa ist Rotterdam. Wenn die Notierungen für Benzin und Diesel dort steigen, verteuert sich der Sprit auch in Österreich. (stro)
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