Erinnerungen ziehen um

12. Juli 2004, 22:05
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Nachlass aus dem Grazer Kultur­haupt­stadt­jahr: Der "Berg der Erinnerungen" lebt im "Büro für Erinner­ungen" des Joanneums fort

Graz - Einige Teile des Kulturhauptstadt-Jahres 2003 in Graz leben weiter. So auch jenes Projekt, das sich mit Vergangenem im "Berg der Erinnerungen" beschäftigt hat. Das Landesmuseum Joanneum hat sich zum Erwerb des Datenmaterials entschlossen, im Bild- und Tonarchiv wurde nun mit Juli das "Büro für Erinnerungen" eingerichtet. Die Aufgabenstellung: In institutionalisierter Form sollen landesweit Erinnerungen gesammelt und das kommunikative Gedächtnis der steirischen Bevölkerung erforscht werden.

Büroleiter Hofgartner: "Ehrgeiziges und wohl europaweit einzigartiges Vorhaben"

Heimo Hofgartner, Leiter des Büros, sieht in dem Anschlussprojekt "ein aus kulturwissenschaftlicher Sicht ehrgeiziges und wohl europaweit einzigartiges Vorhaben". Die Integration des "Büros der Erinnerungen" in das Bild- und Tonarchiv am Landesmuseum Joanneum füge sich gut in die Geschichte dieser Einrichtung ein. Von Beginn an sei das Interesse des Gründers Erzherzog Johann in der Förderung der landesgeschichtlichen Forschung gelegen - einerseits durch das Aufsammeln von geschichtlichem Quellenmaterial und anderseits durch die Schaffung einer "Geschichts-Bibliothek".

"Meiner Ansicht nach kann das Büro in konzeptioneller Hinsicht, durchaus als Projekt in joanneischem Geiste begriffen werden", ist Hofgartner überzeugt. Dies treffe sowohl auf den theoretischen Ansatz - nach dem Geschichte immer wieder neu geschrieben wird, stets als Konstrukt verstanden werden muss - als auch seiner kulturwissenschaftlichen Arbeitsmethode - unter Nutzung moderner technischer Hilfsmittel - zu.

SteirerInnen nach wie vor eingeladen, Erinnerung zu erzählen

An drei Tagen in der Woche werden fortan alle SteirerInnen eingeladen, ihre mit Objekten (Fotos, Dokumente, Filme bzw. diverse Gegenstände) verbundenen Erinnerungen zu erzählen. Diese werden aufgezeichnet, digitalisiert, dokumentiert und laufend in eine Datenbank eingegeben. Diese Datenbank - sie soll als kulturelle Gedächtnisstütze fungieren - und ihre Internetpräsentation stellten "im doppelten Sinne ein demokratisches Medium dar", so Hofgartner: Einerseits werde das permanente Anwachsen des virtuellen Archivs durch die aktive Beteiligung der Bevölkerung gesteuert, und andererseits erfahre es absolute Transparenz durch die unumschränkte Zugänglichkeit im Internet.

Darüber hinaus wird das "Büro der Erinnerungen" zeitgeschichtliche Ausstellungen des Landesmuseum Joanneum begleiten und Besuchern die Möglichkeit anbieten, ihre Erinnerungen zu erzählen. (APA)

Zum Thema

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Der "Berg der Erinnerungen" zeigt Erlebnisse der Grazer und Grazerinnen (14.3.2003)

"Büro der Erinnerungen"
Bild- und Tonarchiv
Sackstraße 17
ab September: ab September 2004 im Ecksaal des Landesmuseum Joanneum
Neutorgasse 45
0316/8017-9427 oder 0699/8017-9427
heimo.hofgartner
@stmk.gv.at
  • Artikelbild
    foto: graz 2003
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