Herzliches "Habt Acht!"

6. Juli 2004, 17:36
13 Postings

Der Widerstand der FPÖ gegen die Wehrdienstverkürzung hielt nur kurz - von Lisa Nimmervoll

Das Korps, das Bundeskanzler Wolfgang Schüssel befehligt, steht wieder stramm und in geordneten Reihen. Und es war nicht einmal die Androhung von Strafen notwendig, sondern nur eine "herzliche Einladung", sich die Order doch genau anzusehen und vielleicht doch noch "Habt Acht" zu stehen. Und prompt haben sich die in den blauen Uniformen nach zweitägiger Verweigerung des Befehls durch den Oberbefehlshaber doch entschieden, ihm zu folgen. Die Freiheitlichen können sich nun auch einen verkürzten Wehrdienst auf sechs Monate schon ab 2006 vorstellen. Zwei Tage zuvor hatte FP-Chefin Ursula Haubner den forschen Vorstoß des Kanzlers mit der populären Wehrdienstverkürzung noch als "mit uns nicht akkordiert" bezeichnet. Jetzt "muss oder kann" der Wehrdienst light nach koalitionsinternen Akkordierungsarbeiten aber durchaus kommen. Was für jeden Wehrdiener sofort scharfe Konsequenzen nach sich ziehen würde, lässt Schüssel der FPÖ wohl oder übel durchgehen, weiß er doch, dass letztendlich ohnehin das gemacht wird, was er anordnet. Denn die Freiheitlichen sind nur im schwarz-blauen Truppenverband überlebensfähig. Schüssel selbst braucht die wankelmütige Riege fürs Regieren. Kleinere Wortscharmützel irritieren ihn nicht. Dabei ist die Debatte um zwei Monate mehr oder weniger Strammstehen und Salutieren ohnehin nachrangig im Rahmen der Heeresreform. Sie ist ein treffliches Gimmick, das man just in einem Wahljahr wirksam werden lassen kann. Die Ersatzdebatte verdrängt aber wichtigere Themen, etwa die Frage, warum die Wehrdienst- von der Zivildienstreform zeitlich entkoppelt angegangen wurde. Denn die Berufs-, Zeit- und "Sozialsoldaten" in Zivil dienen in einem System, nicht in Parallelwelten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)
Share if you care.