Air Berlin weiter auf Partnersuche

18. Juli 2004, 18:10
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NIKI-Partner baut Kooperationen aus und will künftig enger mit dem Ferienflieger Hapag-Lloyd zusammenarbeiten

Die Air Berlin ist bereits die drittgrößte Fluglinie auf dem Flughafen Wien und mit 25 Prozent an der neuen Charter- und Billigfluglinie Niki beteiligt. 44 rot-weiße Flugzeuge fliegen jeden Tag quer durch Europa. Das Unternehmen ist als unabhängiger Anbieter viel größer geworden als die Konzernanhängsel LTU, Hapag-Lloyd und Condor.

70 neue Maschinen

In diesem Jahr soll der Umsatz erstmals eine Milliarde Euro erreichen und die Billigflugsparte City Shuttle Gewinn abwerfen. Etwa 70 Maschinen will Konzernchef Joachim Hunold bestellen, um die aktuelle Flotte zu ersetzen und für Wachstumsmöglichkeiten zu sorgen.

Ob Air Berlin die Investitionen aus eigener Kraft finanzieren kann oder dazu zusätzliche Partner braucht, darüber scheint sich selbst das Unternehmen nicht ganz klar zu sein. Bei einem guten Jahresergebnis sei vielleicht genug Geld in der Kasse, um es ohne Partner zu schaffen, glaubt Hunold. Andererseits hat er in den vergangenen Monaten öffentlich mehrfach über einen Börsengang des in Privatbesitz befindlichen Unternehmens spekuliert. Und: Er hat in der jüngeren Vergangenheit mit möglichen strategischen Partnern gesprochen, darunter den beiden großen deutschen Reisekonzernen TUI und Thomas Cook. Die Indikatoren nähren den Verdacht, dass Hunold sucht und wohl zugreifen würde, wenn er den richtigen Partner fände.

Nur geringe Gewinne

Die nun angekündigte Zusammenarbeit mit Hapag-Lloyd/TUI könnte ein Zwischenschritt sein, der Versuch, ohne Kapitalverflechtung Vorteile einer Allianz zu erreichen, und, wo vonnöten, Kapazität aus dem Markt zu nehmen. Denn mit neuen Investoren oder gar der Börse ist das gar nicht so einfach. Insider vermuten, dass es schwierig sein dürfte, die Air-Berlin- Geschichte so gut zu verkaufen, dass daraus ein guter Börsengang wird. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren – den spärlichen öffentlich gemachten Informationen zufolge – nur geringe Gewinne ausgewiesen und wenn, dann gleich wieder in die Substanz investiert.

Die großen Konzerne haben selbst schon zu viel Flugkapazität für die schwache Marktlage. Der Erfolg der Air Berlin hängt zudem sehr stark an der Person Joachim Hunold. Er hat in den vergangenen Jahren in vielen Situationen intuitiv das Richtige gemacht, aber das war möglich, weil ihm niemand hineingeredet hat. Hunold reagiert allergisch auf die Einmischung anderer.

Konfliktstoff

Investoren, zumal wenn sie selbst aus der Branche kommen, wollen aber mitreden. Und Arbeitnehmer auch. Darin liegt weiterer Konfliktstoff. Hunold ist für die deutschen Gewerkschaften Verdi, UFO (Flugbegleiter) und Vereinigung Cockpit (VC) ein rotes Tuch, weil er es über ein Netz zahlreicher kleiner Air-Berlin-Tochterfirmen, die in Sachen Mitarbeiterzahl unterhalb der in Deutschland festgelegten Untergrenze für bestimmte Vertretungsrechte liegen, schafft, den Einfluss der Mitarbeiter zu minimieren. Bei einem Börsengang wäre dies schlagartig anders und Hunold müsste sich womöglich mit Gewerkschaftern im Aufsichtsrat herumschlagen – das wäre ein Graus für den Selfmademan.

Vieles hängt wohl auch von der weiteren Entwicklung des auch in Wien äußerst erfolgreichen City Shuttle ab. Im ersten Quartal 2004 entfielen mit 546.000 rund ein Viertel aller Air-Berlin-Passagiere auf die Billigflugsparte. Doch während die Gesamtzahl "nur" um 34 Prozent wuchs, verdoppelte sich das Aufkommen im City Shuttle – das Konzept gewinnt an Bedeutung. (Jens Flottau aus Frankfurt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

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