"Facelifting" für den Euro

14. Juli 2004, 11:18
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Seit Dezember werden Geldscheine mit der Unterschrift des neuen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet gedruckt - was teilweise für Verwirrung sorgt

Wien - Nicht alles, was nach Falschgeld aussieht, ist auch solches. Daran sollten aufmerksame Geldbetrachter denken, wenn sie demnächst verstärkt über veränderte Euro-Banknoten stolpern: Die blaue Unterschrift in der oberen Hälfte der Geldscheine ist nicht mehr die gewohnte. Der Grund: Seit Dezember 2003 wurden Banknoten mit der Signatur des neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, gedruckt, nun kommen immer mehr davon in Umlauf.

Falschgeld-Alarm

Was zu Missverständnissen führen kann. So ist es in Wiener Supermärkten schon vorgekommen, dass Geldscheine wegen des vermeintlich falschen Schriftzuges an der Kassa nicht angenommen worden sind. Es habe "einige Anfragen gegeben", bestätigt auch Stefan Augustin von der Oesterreichischen Nationalbank. Seit Montag sei daher auch auf der Nationalbank-Homepage ein eigener Hinweis auf die neue Unterschrift zu finden. Die Banknoten mit der Unterschrift von Trichet-Vorgänger Wim Duisenberg bleiben aber natürlich gültig.

Auch ohne etwaige Verwirrung um die neuen Scheine bleibt für die Falschgeldjäger aber genug zu tun. Wie viele Blüten in den ersten sechs Monaten aufgetaucht sind, werden die EZB und die heimische Nationalbank erst in den nächsten Wochen bekannt geben. Im Innenministerium rechnet man nach den bisherigen Erkenntnissen aber für heuer mit einer ähnlichen Zahl an Fälschungen wie im Vorjahr. 7467 selbst gemachte Banknoten mussten 2003 aus dem Verkehr gezogen werden.

Geldspur im Internet

Die (echten) Trichet-Scheine gibt es nach wie vor nur vereinzelt, auch dank der Sommerferien werden sie sich in den kommenden Monaten aber weiter ausbreiten. Wohin die eigenen Scheine wandern, kann man übrigens auch im Internet verfolgen. "Eurobilltracker" nennt sich die private Initiative, die sich auf die Spuren des Geldes macht.

Knapp 30.000 Mitglieder nutzen die Seite derzeit und haben die Seriennummern von fast drei Millionen Banknoten ins Netz gestellt. Gibt ein anderer Nutzer die Nummer ein, erfährt man, wann und wo der Schein wieder aufgetaucht ist. Bei der Eingabe der Daten auf der Homepage wird man nebenbei auch darüber informiert, wo der Schein aus der eigenen Geldbörse gedruckt worden ist. Statistiken über die Durchmischung runden das Angebot ab: So zeigt sich beispielsweise, dass in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich viele griechische Euros in Portugal aufgetaucht sind. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

  • Die neue Unterschrift von Jean-Claude Trichet...
    foto: oenb/derstandard.at

    Die neue Unterschrift von Jean-Claude Trichet...

  • ...und hier die alte Signatur des ehemaligen EZB-Chefs Wim Duisenberg.
    foto: oenb/derstandard.at

    ...und hier die alte Signatur des ehemaligen EZB-Chefs Wim Duisenberg.

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