Britische Gewerkschaft stellt Finanzunterstützung für Labour ein

7. Juli 2004, 16:56
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GMB will nur mehr einzelne Kandidaten fördern, die "Ideen der Gewerkschaft unterstützen"

London - Eine der bedeutendsten Gewerkschaften Großbritanniens, die General Municipal and Boilermakers Union (GMB), hat am Dienstag angekündigt, der regierenden Labour-Partei von Premierminister Tony Blair die finanzielle Unterstützung zu entziehen. Stattdessen wolle die GMB bei den Unterhaus-Wahlen, die voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres abgehalten werden, einzelne Abgeordnete und Kandidaten unterstützen. Die Entscheidung ist ein weiteres Zeichen für die wachsenden Unstimmigkeiten zwischen den Gewerkschaften und der Regierung.

Hohe Summen

Traditionell spenden die Arbeitnehmervertretungen Großbritanniens hohe Summen für die Wahlkämpfe der Labour-Partei. Nach eigenen Angaben wurde bei der 700.000 Mitglieder starken GMB für die Unterhaus-Wahlen 2005 bereits um 744.000 Pfund (1,112 Millionen Euro) angefragt. Zu der Zahlung wird es nun offenbar nicht kommen. Geld soll an einzelne Kandidaten gehen, die "die Ideen der Gewerkschaft unterstützen".

Uneinigkeit

Die Gewerkschaften sind mit der Regierung in vielen Bereichen uneins, unter anderem in der Krankenhaus-Reform. Die effizientesten Spitäler sollen demnach ein neues Statut erhalten, das ihnen größere finanzielle Eigenständigkeit bringt und ihnen erlaubt, um privates Kapital zu werben. Weiterer Streitpunkt ist die im Vergleich zu den kontinental-europäischen Ländern schwache Sozialgesetzgebung. Auch das gängige Zurückgreifen des Staates auf private Anbieter in Bereichen, die auch von öffentlichen Diensten abgedeckt werden, prangern die Arbeitnehmervertretungen an. Im Juni hatten die Gewerkschaft der Feuerwehrleute und die Transport-Gewerkschaft RMT ihre Kontakte zur Labour-Partei offiziell eingestellt. Diesen Schritt hat die GMB bisher nicht vollzogen. (APA)

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