Deutsche Zeitungen rechnen wieder mit Umsatzverlusten

19. Juli 2004, 17:04
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Krisental aber durchschritten - Trend zu Kompakt-Formaten

Die deutschen Zeitungsverlage erwarten für das laufende Jahr erneut Umsatzverluste. "Wir werden auch 2004 im vierten Jahr hintereinander Umsatzverluste verbuchen müssen, aber das Loch der Krise ist durchschritten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Volker Schulze, am Dienstag in Berlin. Allerdings solle sich das Umsatzniveau in diesem Jahr stabilisieren. Über mögliche Steigerungen 2005 wollte Schulze nicht spekulieren.

Weniger Anzeigen

In den ersten vier Monaten wurden 1,6 Prozent weniger Anzeigen inseriert als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt habe sich der Markt der Rubrikenanzeigen gefestigt, wobei besonders der Zuwachs an lokalen Handelsanzeigen um vier Prozent ein positives Signal sei, sagte der Geschäftsführer der Zeitungs Marketing Gesellschaft (ZMG), Markus Ruppe. BDZV-Chef Schulze bremste jedoch die Erwartungen. "Solche Steigerungen wecken natürlich Erwartungen, aber es wird noch lange dauern, ehe wir wieder in die Nähe der Jahre 1999 oder 2000 kommen." Konjunkturbedingt seien zum ersten Drittel des Jahres 2003 in diesem Jahr noch einmal weniger Stellenanzeigen geschaltet worden (minus 12,7 Prozent).

Vertrieb stieg an

2003 habe die Zeitungsbranche ein Umsatzminus von 5,5 Prozent hinnehmen müssen. Insgesamt erwirtschafteten die Zeitungsverlage 8,9 Milliarden Euro, fünf Prozent oder eine halbe Milliarde Euro weniger als 2002. Die Erlöse für Anzeigen und Beilagen gingen dabei um 10 Prozent auf 4,68 Milliarden zurück. Der Vertrieb von Zeitungen stieg dagegen um ein halbes Prozent auf 4,14 Milliarden Euro an. Damit hätten sich Tageszeitungen als stärkster Werbeträger vor dem Fernsehen, der Direktwerbung und den Zeitschriften behaupten können, sagte Schulze.

Das journalistische Niveau sei trotz des Zwangs, Personal abzubauen, nicht gemindert worden, sagte Schulze. Derzeit arbeiten nach einer Umfrage des BDZV in Zeitungsredaktionen 14.920 Redakteure, 2000 waren es 15.300. Von den Einsparungen seien vor allem freie Mitarbeiter betroffen gewesen. So seien etwa 10.000 Journalisten arbeitslos.

Kompakt-Formate auf dem Vormarsch

Neue Kompakt-Formate seien auf dem Vormarsch. "Die 'Welt Kompakt' aus dem Hause Springer ist eine Erfolgsgeschichte", sagte Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter der Abteilung Kommunikation und Multimedia des BDZV. Vor allem junge Leser würden von dem handlichen Format angesprochen. "Für eine Bilanz ist es noch zu früh, aber möglicherweise ist das ein interessantes Format für Redionalzeitungen", sagte Fuhrmann. (APA/dpa)

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