Gegen den Malestream

7. Juli 2004, 07:00
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Frauen-Heil-Kunde einmal anders betrachtet - zur Bedeutung weiblicher Krankheitsbilder

Das vorliegende Buch stellt ein Grundlagenwerk zur psychosomatischen Frauenheilkunde dar, das neben dem umfangreichen Nachschlagebuch Christine Northrups "Frauenkörper - Frauenweisheit" (Zabert Sandmann Verlag 1994) - dieStandard.at berichtete - in keiner Bibliothek einer (körper-)bewussten Frau fehlen sollte. Denn hier werden sowohl die psychischen Dimensionen von Frauen und ihrer Körper in Geschichte und Gegenwart als auch die Frauenheilkunde an sich einer ganzheitlichen Analyse unterworfen. Eine grundlagenorientierte und fundierte Perspektive, die im Verlauf der Geschichte unter dem vorwiegend männlichen Ruder der patriarchalen Medizintechnik, das die AutorInnen als "männlichen Macherpol" entlarven, ohne jedoch auch dessen positive Seiten zu sehen, in den Hintergrund getreten ist und heute Seltenheitscharakter besitzt.

Weibliche Perspektiven

Bei aller notwendigen Ausgewogenheit, auch die schulmedizinischen Faktoren nicht zu ignorieren, sind die AutorInnen jedoch der Meinung, dass es schwer einzusehen sei, die Gynäkologie, die sich einseitig auf dem "männlichen Pol" befindet und sich in High-Tech-Orgien ergeht, besonders wenn sie Frauen behandelt, weiterhin mehrheitlich Männern zu überlassen. Im Gegenteil könne "die Zukunft der Gynäkologie nur in einer weiblichen Perspektive liegen".

Nach einem Überblick zu Theorien der historischen - besser gesagt herstorischen, da es sich ja alleine um ihre Geschichte handelt - Entwicklung der Frauenheilkunde und der Etablierung der modernen Gynäkologie, deren Beschäftigung für jede Frau heilsam sein kann, weil so sind die AutorInnen überzeugt, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch eine Aussöhnung mit der eigenen Geschichte ermögliche, widmet sich der erste Teil des Buches den "weiblichen Urprinzipien und Archetypen".

Symbolsprache

Der zweite und größere Abschnitt dieses Werkes unter dem Titel "Die Wunden des Weiblichen" steht dann ganz im Zeichen der wesentlichsten Teile des Frauenkörpers. Vom weiblichen Zyklus über Verhütung, Unterleibsbeschwerden, Geschlechtskrankheiten, Gewächse an den Genitalien, Krankheitsbilder der Brüste, sexuellen Funktionsstörungen bis zu Problemen mit Lebensübergängen und weiblichen Körpernbildern reicht das Feld der Symptombildungen, für die psychosomatische Erklärungsansätze zur Hilfestellung angeführt werden. In einfacher und leicht verständlicher Sprache werden Symboliken für die jeweiligen Lebenssituationen von Frauen angeboten, die zum Nachdenken und damit mitunter bereits zum Ansatz eines Heilungsprozesses führen können.

Den Ausklang des Buches bildet schließlich ein "Ausblick auf die Gynäkologie einer besseren Zukunft" sowie ein ausführliches Literatur- und Stichwortverzeichnis. Auch für Esoterik-Kritikerinnen bestens zu empfehlen! (dabu)

  • Margit und Rüdiger Dahlke,
Volker Zahn:
Frauen-Heil-Kunde
Be-Deutung und Chancen weiblicher Krankheitsbilder
München (Goldmann) 1999
ISBN 3-442-15204-6
Euro 12
    foto: buchcover/goldmann
    Margit und Rüdiger Dahlke,
    Volker Zahn:

    Frauen-Heil-Kunde
    Be-Deutung und Chancen weiblicher Krankheitsbilder
    München (Goldmann) 1999
    ISBN 3-442-15204-6
    Euro 12
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