Deutschland: Arbeitslosenzahlen leicht rückläufig

18. Juli 2004, 19:33
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Konjunktur zu schwach für Belebung am deutschen Arbeitsmarkt - Zahl der Erwerbstätigen weiter gesunken

Nürnberg - Das schwache Wirtschaftswachstum in Deutschland bringt immer noch nicht genügend Schub für den Arbeitsmarkt. Im Rahmen der üblichen Frühjahrsbelebung ging die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 59.700 auf 4.233.400 zurück. Das waren 25.300 weniger als im Vorjahr.

Unter Einbeziehung der nicht mehr erfassten Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen hätte sich jedoch ein Anstieg um 61.900 ergeben, berichtete die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Mai um 0,1 Punkte zurück, verharrte aber mit 10,2 Prozent auf dem Vorjahresniveau.

"Konjunkturelle Belebung nicht stark genug"

"Noch ist die konjunkturelle Belebung nicht stark und dauerhaft genug, damit die Betriebe in der Summe wieder mehr Personal einstellen", sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.

Nach oben korrigierte Wachstumsprognosen, steigende Auftragseingänge und der weiter kräftig gestiegene Export lassen nach Einschätzung von Weises Vize Heinrich Alt jedoch erwarten, dass der Beschäftigungsabbau im Laufe des Sommers zum Stillstand kommt.

Saisonbereinigt hat sich die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland um Juni erstmals in diesem Jahr nicht mehr erhöht. Aus der Abnahme um lediglich 1000 auf 4,369 Mio. lasse sich aber noch keine Trendwende ableiten, sagte Alt. Der leichte Rückgang sei vor allem auf den verstärkten Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente zurück zu führen.

37,97 Millionen Erwerbstätige

Die Zahl der Erwerbstätigen ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden im April um 28.000 auf 37,97 Mio. gesunken. Das waren 169.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag mit 26,36 Mio. sogar um 585.000 unter dem Vorjahreswert.

Ausschlaggebend dafür seien Beschäftigungsverluste im verarbeitenden Gewerbe, im Handel und der Baubranche gewesen, sagte Alt. Die verstärkte Förderung selbstständiger Existenzen habe diese Entwicklung nur zum Teil kompensieren könne.

In Westdeutschland ging die Zahl der amtlich registrierten Arbeitslosen im Juni um 40.800 auf 2.668.900 zurück, in Ostdeutschland um 19.000 auf 1.564.500. Im Jahresvergleich ergibt sich für die alten Bundesländer eine Zunahme um 5.000.

Die BA führt dies auf die nach wie vor zunehmende Erwerbsbeteiligung im Westen und die anhaltende Binnenwanderung von Ost nach West zurück. Die Abnahme der Zahl der Erwerbslosen im Osten um 30.300 beruhe auf dem Rückgang des Arbeitskräfteangebotes, der sich dort in diesem Jahr verstärkt fortgesetzt habe.

Anhaltender Anstieg bei Langzeitarbeitslosen

Als Spiegelbild für die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt wertete BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt auch den anhaltenden Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Deren Zahl lag im Juni mit 1 676.600 um 9,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Gegenzug ging die Zahl der offenen Stellen binnen Jahresfrist um 67.800 oder 18,2 Prozent auf 305.400 zurück.

Alt ging am Dienstag davon aus, dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt wie geplant bei 4,34 Mio. einpendelt. Auch Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) rechnet mit einer Trendwende erst in der ersten Hälfte des nächsten Jahres. (APA/dpa)

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