Kostenlos abzugeben: KunstHaus Wien

12. Juli 2004, 22:05
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Direktor Harel möchte sich zurückziehen: "Stadt Wien muss Farbe bekennen, sonst schließe ich" - Das Kulturamt prüft derzeit die Unterlagen

Wien - Nach 14 Leitungsjahren sucht der Direktor des KunstHaus Wien, Joram Harel, einen Nachfolger. Der Stadt Wien hat er das Haus zur kostenlosen Übernahme angeboten. "Jeder andere würde jubeln und sich freuen, einen sich selbst erhaltenden, schuldenfreien Betrieb wie das KunstHaus Wien übernehmen zu können", so Harel im APA-Gespräch. Im Kulturamt prüft man seit Wochen die Bilanzen. "Die Stadt Wien ist unentschlossen und muss endlich Farbe bekennen, sonst schließe ich das Haus", so Harel. Die Sprecherin von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) meinte: "Die Unterlagen werden derzeit geprüft. Mehr können wir noch nicht sagen".

Harel: "Es geht mir um den Fortbestand"

Er sei mit 68 Jahren in einem Alter, wo einem jederzeit etwas passieren könne, so Harel weiter, und denke daher allmählich an eine Übergabe. Auch wolle er die drohende Routine in seinem Job vermeiden. Friedensreich Hundertwasser, dessen Werke das Museum neben den wechselnden Ausstellungen beherbergt, sei immerhin eine bedeutende Persönlichkeit dieser Stadt gewesen: "Es geht mir um den Fortbestand", sagte Harel, der betont, kein Geld für die Übernahme durch einen Nachfolger zu wollen.

"Das bestbesuchte Museum Österreichs"

"Das KunstHaus ist das bestbesuchte Museum Österreichs, was natürlich die anderen Museumsdirektoren nicht gern hören. Hundertwasser gilt ja immer noch als 'kitschig' und 'kunsthandwerklich' ", so Harel. Der Betrieb koste jährlich eine Million Euro und werde in seinem Erfolg von den 45 Mitarbeitern getragen. "Ein Museum ist wie eine Kirche", so Harel auf die Frage nach Gewinnen. "Es kommen viele Leute hinein, aber großartige Gewinne gibt es nicht". Wesentlicher aber seien die zum Glück nicht vorhandenen Defizite und dass man ohne Steuergelder auskomme.

"Mangelnde Entscheidungsfreude ist leider typisch für die allgemeine politische Konstellation"

Warum Mailath-Pokorny so viel Zeit zur Prüfung braucht, kann sich Harel nicht erklären: "Diese mangelnde Entscheidungsfreude ist leider typisch für die allgemeine politische Konstellation". Eine Übernahme aus dem Ausland kann sich Harel nicht vorstellen, auch keine aus dem Haus selbst: "Ein Museum ist eine kulturpolitische Aufgabe und gehört in die Hände einer Stadt". Im schlimmsten Fall würde er aber nicht zögern und das KunstHaus schließen. "Das wäre aber ein großer Verlust für eine Kulturstadt wie Wien". (APA)

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