Kambodscha: König Sihanouk kündigt Abdankung und Exilgang an

7. Juli 2004, 16:40
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81-jähriger Monarch bittet in Internet-Botschaft den künftigen König um Gewährung einer Pension

Phnom Penh - König Norodom Sihanouk (81) von Kambodscha hat am Dienstag angekündigt, nach seiner Abdankung freiwillig nach Nordkorea ins Exil zu gehen. Er werde die Krone niederlegen, sobald der Kronrat vollständig besetzt und in der Lage sei, seine Abdankung verfassungsgemäß zur Kenntnis zu nehmen, schrieb der Monarch auf seiner Website. Dann werde er den nordkoreanischen Führer Kim Il Jong ersuchen, "mir zu erlauben, in seinem ruhmreichen Land Wohnsitz zu nehmen". Er gelobe zugleich feierlich, "nicht mehr in die politische Arena herabzusteigen", und bitte den künftigen König um Gewährung einer Pension.

Verfassung

Die 1993 angenommene Verfassung des südostasiatischen Landes legt fest, dass der König unter den direkten Nachkommen der Könige Norodom (1859-1904) und Sisowath (1904-1927) vom Kronrat gewählt wird. Dem Gremium gehören der Regierungschef, sowie sechs gewählte Vertreter des Parlaments und die beiden höchsten buddhistischen Würdenträger an.

Sihanouk hat 14 Kinder von sechs Frauen. Fünf seiner Kinder und zahlreiche Enkel wurden unter dem Terrorregime der Roten Khmer in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre ermordet. 1965 hatte er zu Gunsten seiner damaligen jüngsten Nebenfrau Monique Izzi, Tochter eines Italieners und einer Sino-Vietnamesin, auf die traditionelle Vielehe verzichtet. Diese Gemahlin führt jetzt als Königin den Namen Monineath. Aus der Verbindung sind zwei Söhne hervorgegangen: Prinz Norodom Sihamoni, der in Russland zum Ballett-Tänzer ausgebildet wurde, und Prinz Norodom Chakrapong, der 1994 an einem Umsturzversuch beteiligt war und nach Frankreich ins Exil gehen musste. Prinz Norodom Ranariddh, der älteste Sohn Sihanouks, ist Parlamentspräsident und Chef der royalistischen Partei FUNCINPEC ("Nationale Einheitsfront für ein unabhängiges, neutrales, friedliches und kooperatives Kambodscha") .

"Freundschaftsbesuch"

Der König war im April zu einem "Freundschaftsbesuch" nach Nordkorea gereist. Nach seinem Sturz durch den pro-amerikanischen Putsch-General Lon Nol im Jahr 1970 hatte Sihanouk vom damaligen nordkoreanischen Staats- und Parteichef Kim Il Sung in Pjöngjang eine Exilresidenz zur Verfügung gestellt bekommen.

Sihanouk hatte 1941 unter französischem Protektorat den Thron bestiegen und sein Land in die Unabhängigkeit geführt. Er gehörte zu den Gründern der Blockfreien-Bewegung. 1955 dankte er zu Gunsten seines Vaters Norodom Suramarit ab, den die Franzosen ursprünglich von der Thronfolge ausgeschlossen hatten. Nach dem Tod seines Vaters 1960 regierte er das südostasiatische Land als Staatschef ohne Krone. Im März 1970 wurde er während eines Kuraufenthalts in Frankreich auf Veranlassung des US-Geheimdienstes CIA gestürzt. Er bildete daraufhin in Peking eine Exilregierung.

Hausarrest

Nach dem Zusammenbruch des Regimes Lon Nol im April 1975 errichteten die Roten Khmer unter Pol Pot mit chinesischer Unterstützung ein Terrorregime. Sihanouk kehrte als nominelles Staatsoberhaupt nach Kambodscha zurück, wo er unter Hausarrest gestellt wurde und kurz darauf abdanken musste. Ende 1978 marschierten vietnamesische Truppen in Kambodscha ein und stürzten das Pol-Pot-Regime. Sihanouk wurde einen Tag vor der Einnahme Phnom Penhs durch die Vietnamesen von den Roten Khmer nach Peking ausgeflogen. Nach den Pariser Friedensverträgen und den von der UNO organisierten Wahlen beschloss die Verfassunggebende Nationalversammlung 1993 die Wiedererrichtung der Monarchie. (APA)

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    König Norodom Sihanouk

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