Blair: Massenvernichtungswaffen werden "möglicherweise nie gefunden"

7. Juli 2004, 16:45
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Am 14. Juli soll ein Bericht über die Erkenntnisse des Geheimdienstes zum Waffenarsenal veröffentlicht werden

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat eingeräumt, dass möglicherweise niemals biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden werden. Er müsse akzeptieren, dass Waffen "möglicherweise nie gefunden werden", sagte Blair am Dienstag im Parlament. Unklar sei, was mit den Waffen geschehen sei. Sie könnten "verlegt, versteckt oder zerstört" worden sein. Die USA und Großbritannien hatten den Krieg im vergangenen Jahr mit der Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen begründet.

Blairs Umfragwerte abgesackt

Im Jänner hatte US-Außenminister Colin Powell erstmals öffentlich eingestanden, dass der Irak möglicherweise keine Massenvernichtungswaffen besessen habe. Blair hatte sich bisher stets überzeugt gezeigt, dass noch Waffen gefunden werden. Der britische Premier steht wegen der starken britischen Beteiligung an dem Irak-Krieg unter starkem innenpolitischen Druck. Er hatte eine skeptische Bevölkerung im vergangenen Jahr vor allem mit der Gefahr durch irakische Massenvernichtungswaffen von der Notwendigkeit eines Krieges überzeugen wollen. Mittlerweile sind Blairs Umfragwerte stark abgesackt.

Gefahr für die gesamte Region

Trotz allem sei der gestürzte Diktator Saddam Hussein eine Gefahr für die gesamte Region und die Welt gewesen, sagte Blair. In einem Aufsehen erregenden Dossier der Londoner Labour-Regierung, das im September 2002 veröffentlicht wurde, war behauptet worden, irakische Massenvernichtungswaffen seien innerhalb von 45 Minuten einsatzbereit. In der kommenden Woche könnte die Blair-Regierung weiter unter Druck geraten: Am 14. Juli soll ein Bericht über die Erkenntnisse des britischen Geheimdienstes zum irakischen Waffenarsenal veröffentlicht werden.

Kapazität

Nachdem auch mehr als ein Jahr nach Beginn der Invasion im Irak keine Massenvernichtungswaffen in dem arabischen Land gefunden wurden, hatte auch US-Präsident George W. Bush zu Jahresbeginn seine Darstellung des Kriegsgrunds geändert. Saddam Hussein habe zumindest die Kapazität zur Entwicklung solcher Waffen gehabt, hatte Bush zuletzt erklärt. (APA/Reuters)

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    Premier Blair.

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