Italien diskutiert Ehe für lesbischwule Paare

22. Juli 2004, 11:18
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Scharfe Kritik aus dem Vatikan

Rom - Der Vatikan kritisiert zwei Gesetzesvorschläge zur Legalisierung von "wilden" heterosexuellen Ehen und von lesbischwulen Paaren, die ab den nächsten Tagen im römischen Parlament diskutiert werden sollen. "Schritt für Schritt wird die Familie zerstört. Die Medien beschreiben uns oft, als wären wir Steinzeit-Menschen, doch uns liegt das Schicksal der Kinder am Herzen, die wegen des Mangels an Sicherheit leiden", so der Präsident des päpstlichen Rates für die Familie, Kardinal Alfonso Lopez Trujillo, in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Sonntagsausgabe).

"Unverheiratete Paare haben keinerlei institutionellen Willen, ihrer Beziehung Kontinuität zu verleihen. Sie garantieren weder dem Partner, noch den Kindern, noch der Gesellschaft irgend etwas, sie verlangen jedoch den rechtlichen Schutz, den die Ehe garantiert. Ihre Forderungen sind ein Widerspruch", so der Kardinal. Er warnte auch vor gleichgeschlechtlichen Ehen und vor dem Recht, Kinder zu adoptieren. "Es ist eine Besorgnis erregende Angelegenheit, die der Gesellschaft und den Kindern schadet. Kinder brauchen auf psychologischer Ebene die Ausgewogenheit einer Liebe zwischen Mann und Frau", so der Kardinal.

Gesetzesentwürfe

Für Debatten sorgen in Italien zwei Gesetzesentwürfe, die von den oppositionellen Linksdemokraten und von der Regierungspartei Forza Italia eingereicht wurden. Sie nehmen sich an dem so genannten Zivilen Solidaritätspakt (PACS) ein Beispiel, der in Frankreich die gemeinsame steuerliche Veranlagung, Gütergemeinschaft und bevorzugte Erbbestimmungen von Paaren vorsieht.

Bisher war in Italien jeglicher Versuch zur Legalisierung unverheirateter Paare gescheitert. Trotz der heftigen Debatte bleibt Italien eines der EU-Länder mit der geringsten Zahl an wilden Ehen. Auch die Zahl der außerehelichen Kinder ist in dem Mittelmeer-Land sehr gering. Nur acht Prozent der italienischen Kinder haben unverheiratete Eltern. Laut Umfragen sind 51,6 Prozent der ItalienerInnen für die Einführung der Ehe für Lesben und Schwule. (APA)

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