Untersuchungsausschuss zu Madrid-Anschlägen deckt Widersprüche auf

7. Juli 2004, 16:56
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Ungereimtheiten bei der Fahndung - Polizei fand sehr früh arabisch besprochene Tonbänder

Madrid - Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen von Madrid am 11. März mit 191 Toten hat gleich am ersten Tag Ungereimtheiten bei der Fahndung ans Licht gebracht. Einer der wichtigsten Zeugen deutete am Dienstag an, dass die Ermittler entgegen der Behauptung der damaligen konservativen Regierung schon sehr früh überzeugt waren, dass islamische Terroristen und nicht die baskische Untergrundorganisation ETA hinter dem Blutbad steckten.

Zünder und Tonbänder

So habe die Polizei bereits am Mittag nach dem Massaker in dem von den Attentätern zum Bombentransport benutzten Lieferwagen Zünder und arabisch besprochene Tonbänder entdeckt, sagte der Hausmeister Luis Garrudo. In dem offiziellen Polizeibericht heißt es dagegen, die Zünder und Tonbänder seien erst Stunden später gefunden worden, weil der Wagen erst am Nachmittag überhaupt genauer inspiziert worden sei. Bereits bei seiner ersten Aussage auf der Polizeiwache habe ihm einer der Beamten außerdem gesagt, die Anschläge seien nicht das Werk der ETA gewesen, ergänzte Garrudo. Der Polizeichef von Alcalá de Henares, Eduardo Blanco, widersprach vor dem Ausschuss dieser Version und hielt an dem damaligen Bericht fest. Anfangs seien die Fahnder sehr wohl von einer ETA-Täterschaft ausgegangen.

Polizeispitzel

Die Zeitung "El Mundo" berichtete, ein im Zusammenhang mit den Anschlägen inhaftierter Polizeispitzel sei von drei Beamten im Gefängnis unter Druck gesetzt worden, nicht vor dem Ausschuss auszusagen. Der Marokkaner Rafa Zouhier hatte den Fahndern bereits ein Jahr vor dem Blutbad von mehreren Spaniern berichtet, die Dynamit schmuggelten. Einige von ihnen, darunter ein früherer Bergmann, stellten sich später als die Sprengstoffbeschaffer der Terroristen heraus. Diese hatten zehn Bomben in vier Pendlerzügen gezündet.

Ausschuss

Der Ausschuss will in den nächsten Wochen unter anderem klären, ob Polizeipannen die Attentate erleichtert haben, weil etwa solche Hinweise nicht verfolgt wurden. Auch soll herausgefunden werden, ob die damalige Regierung von José María Aznar die Öffentlichkeit wissentlich über die Urheber getäuscht hatte, um den als sicher geltenden Sieg der Volkspartei (PP) bei den Parlamentswahlen drei Tage später nicht zu gefährden. (APA/dpa)

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El Mundo

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