Funktionen der Gliazelle

12. Juli 2004, 11:40
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Nur ein zerebraler Kle­bekitt im neuronalen Gewebe oder mehr? Bonner Neurobiologen erforschten ihre Rolle bei der Informationsüber­tragung

Aus Milliarden Nervenzellen (Neuronen) besteht das Gehirn. Das ist aber nicht alles. Ein weiterer Zelltyp, die Gliazelle, fristet ein in der Öffentlichkeit eher unbeachtetes Dasein; wird ihre Funktion doch weitläufig als eine Art Klebemittel zwischen den Neuronen bezeichnet. Zudem ist bekannt, dass sie die Nervenzellen mit Nährstoffen versorgt. Offenbar manipulieren Gliazellen auch die Verschaltung von Neuronen.
Lernen und Erkenntnis entstehen durch Neuronenverschaltung, scheinen aber auch von der Anzahl an Gliazellen abzuhängen. Signifikant ist jedenfalls, dass in Albert Einsteins Gehirn eine extrem hohe Anzahl an Gliazellen gefunden wurde.

Gliazellen sind quasi die Aufräumer im Gehirn. Sie begleiten Neuronen auch bei ihren Wanderungen, spielen eine Rolle bei der Immunabwehr und regulieren den Ionenhaushalt. Sie haben also ganz vielfältige, wichtige Funktionen inne, wenn auch, so schien es bisher, eher nebensächliche.

Bei Informationsverarbeitung beteiligt

Mit diesem Bild haben Wissenschaftler von der Klinik für Neurochirurgie an der Universität Bonn um Christian Steinhäuser jetzt aufgeräumt. Die Ergebnisse ihrer Studien um die Gliazelle - publiziert im "Spektrum der Wissenschaft" - zeigen, dass sie sehr wohl bei der Informationsverarbeitung beteiligt sind. Und damit liegt die Vermutung nahe, dass sie auch bei der Epilepsie eine wichtige Rolle spielen könnten.

In den Außenmembranen von Astrocyten, einem Gliazelltyp, fanden Forscher eben solche Transmitterrezeptoren - das sind die Nervenenden, welche Botenstoffe, Signale von Nachbarneuronen empfangen - wie sie sonst nur Nervenzellen besitzen. Ihre Zellfortsätze liegen so nah an den Verknüpfungsstellen der Neuronen, dass sie die Informationsübertragung regulieren können. Insofern vermögen sie also die Übertragung zu beeinflussen.

Stimulierte Zellen geben Botenstoffe weiter

Ihre Transport-Eigenschaft bewies im weiteren eine Arbeitsgruppe für Experimentelle Neurobiologie an der Universitätsklinik für Neurochirurgie in Bonn gemeinsam mit Forschern der Universität Lausanne. Neuronen geben Informationen durch elektrische Signale und chemische Substanzen (sogenannte Neurotransmitter) weiter. Die Wissenschaftler berichten nun, dass in einem Astrocyten die Konzentration der Kalziumionen steigt, wenn ein Neurotransmitter an die Membran der Gliazelle stößt. Und: sie breitet sich im weiteren in den Gliazellen des umliegenden Gewebes aus. (mb)

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    derstandard.at
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