50-Stunden-Woche, oder: Wer bietet mehr?

18. Juli 2004, 19:33
125 Postings

Während diverse Experten sich mit immer neuen Vorschlägen überbieten, warnt der deutsche Wirtschaftsweise Bofinger vor einer drohenden Deflation

Hamburg - Als Mittel gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland fordern Wirtschaftsexperten in Deutschland nun sogar die vorübergehende Einführung der 50-Stunden-Woche. "Um Jobs zu sichern, müssen auch mal 50 Stunden pro Woche gearbeitet werden", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe).

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Ulrich Ramm, hält die 50-Stunden-Woche für sinnvoll, wenn dadurch Arbeitsplätze erhalten würden. Dann könne auch wieder weniger gearbeitet werden, wird Ramm zitiert.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, forderte eine generelle Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Firmen sollten in diesem Rahmen die Möglichkeit erhalten, ihre Beschäftigten deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten zu lassen, zitiert die Zeitung Hüther.

"Sägen am Ast, auf dem wir sitzen"

Unterdessen warnte der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger vor deflationären Tendenzen. Kostenlose Mehrarbeit sei zwar für einzelne Unternehmen eine gute Sache. Für die Volkswirtschaft bestehe aber die Gefahr, dass die Kaufkraft zurückgehe, und "wir deflationäre Tendenzen bekommen und dass man sich auf die Art und Weise den Ast absägt, auf dem man sitzt", sagte der Professor dem ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" laut einer Vorausmitteilung.

In Japan habe eine Politik der Lohnsenkung eine Deflation ausgelöst, aus der das Land bis heute nicht wieder herausgekommen sei. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Geht es nach so manchem Experten, sollte in Deutschland - zumindest in Stoßzeiten - die 50-Stunden-Woche eingeführt werde.

Share if you care.