Riess-Passer kann sich mit FPÖ "nicht mehr identifizieren"

6. Juli 2004, 17:24
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Ex-Vizekanzlerin überlegt Partei-Austritt: "Es überkommen mich immer öfter Gelüste, das endgültig zu beenden"

Wien - Die frühere FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer kann mit der heutigen FPÖ nicht mehr viel anfangen. Sie habe damals versucht, einen "anderen Weg" einzuschlagen, die FPÖ quasi zu einer echten Regierungspartei zu machen. Diese "Chance" sei aber "vorbei", sagte Riess-Passer am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung der Politischen Akademie der ÖVP. Das Thema: "Crash - und was dann?".

Beendigungs-"Gelüste"

"Die Geschichte, die seither passiert ist, bestätigt das", meinte die frühere Vizekanzlerin und nunmehrige Wüstenrot-Generaldirektorin. FPÖ-Mitglied sei sie eigentlich nur mehr aus "Solidarität" mit der Tiroler Landesgruppe. "Es überkommen mich aber immer öfter Gelüste, das endgültig zu beenden", meinte Riess-Passer. Mit dem Weg, den die FPÖ heute eingeschlagen habe, "kann ich mich nicht mehr identifizieren".

"Nicht in ein Loch gestürzt"

Ihren persönlichen Crash, also das Ausscheiden aus der Politik, habe sie aber gut gemeistert, meinte Riess-Passer. Sie sei "nicht in ein Loch gestürzt". Hier traf sie sich mit ihren Mitdiskutanten.

Graff über eigene "Blödheit"

Der ehemalige ÖVP-Generalsekretär Michael Graff wollte sich ebenfalls "nicht beklagen". Der heute als Anwalt tätige Graff trat 1987 nach einem umstrittenen Sager im Zusammenhang mit der so genannten Waldheim-Affäre als Generalsekretär zurück (so lange nicht bewiesen sei, dass Waldheim "mit eigenen Händen sechs Juden erwürgt hat", gebe es kein Problem). Manche Politiker würden abgewählt, andere müssten aus "Blödheit" gehen. Er sei klar "ein Fall der Blödheit" gewesen, sagte Graff.

Streicher: Klestil nicht beneidet

Gemeistert haben will auch Rudolf Streicher seine persönlichen Crashes. Er unterlag 1992 im Präsidentschafts-Wahlkampf Thomas Klestil. "Mit der Weisheit des Rückblickes" könne er aber sagen, dass es kaum Phasen gegeben habe, in denen er Klestil "beneidet" habe. "Ganz gut verarbeitet" habe er auch seinen zweiten Crash - nämlich seinen Abgang bei der Staatsholding ÖIAG. "Einvernehmlich, aber nicht freiwillig", sei dieser erfolgt.

Friedman: Ärger zurück gelegt

Über eine Kokain-Affäre stolperte im Vorjahr hingegen Michel Friedmann, Moderator und früher Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er sei vor dem "Zusammenbruch eines Lebenswerkes" gestanden, meinte Friedmann. Geholfen habe ihm dann, dass er sein Fehlverhalten eingestanden und sämtliche Ämter zurück gelegt habe. So habe er seinen Crash bewältigt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Riess-Passer kann sich mit der FPÖ nicht mehr identifizieren (Im Bild: Riess-Passer mit Westenthaler und Scheibner bei einer Pressekonferenz im September 2002, bei der den anwesenden das FPÖ-Plakat auf den Kopf zu fallen drohte)

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