Kerrys Vize heißt Edwards

8. Juli 2004, 19:01
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Der demokratische Kandidat John Kerry hat seinen ehemaligen parteiinternen Rivalen zu seinem "Running Mate" erkoren

"It's Edwards!", trompeteten die TV-Stationen kurz vor acht Uhr früh Ortszeit quer durch Amerika. Eine Viertelstunde später wurden mehr als eine Million von Kerry-Anhängern per E-Mail verständigt: "Kerry-Edwards: Ein neues Team für ein neues Amerika."

Kerry hatte die Amerikaner und besonders die Medien wochenlang auf die Folter gespannt. Obwohl eine Reihe von Gerüchten, manche davon ziemlich weit hergeholt, die Runde machten, gelang es dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die Auswahl bis zum Schluss geheim zu halten.

Die erste Wahl des liberalen Senators aus dem Nordosten Amerikas war von Anbeginn der gemäßigte Republikaner John McCain gewesen, der im Jahr 2000 in einer bitteren Vorwahlschlacht gegen George W. Bush verloren und seitdem nicht mit Kritik am Präsidenten gespart hatte.

McCain winkte jedoch ab: Er sei von ganzem Herzen ein Republikaner. Dazu käme, dass er mit Bush bei mehr Themen übereinstimme, als er anderer Meinung sei. Bushs Wahlkampfkomitee konterte blitzschnell: Ein gleichzeitig mit der Ankündigung des demokratischen Vizepräsidenten von den Republikanern lancierter Werbespot zeigt McCain, wie er Bush über den grünen Klee lobt.

Die beiden anderen Kandidaten, über die bis zuletzt spekuliert wurde, waren der langjährige Kongressabgeordnete Dick Gephardt, ein Liebling der US-Gewerkschaften. Viele hochrangige Funktionäre hatten sich aber offenbar schon in den letzten Wochen für Edwards und gegen Gephardt entschieden. Der zweite war der relativ unbekannte Gouverneur von Iowa, Tom Vilsack, der vermutlich mangels charismatischer Ausstrahlung aus dem Rennen schied.

Kerry hatte immer wieder betont, er wolle einen Vizepräsidenten, der ein lang gedienter und erfahrener Politiker sei und zu dem er eine starke persönliche Beziehung habe. Beides trifft nicht auf Edwards zu. Offenbar ist es dem lebhaften und wortgewandten Senator von North Carolina aber gelungen, nicht nur die Amerikaner (in Umfragen war er der Wunschkandidat eines großen Prozentsatzes der Wähler), sondern auch Kerry zu überzeugen. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2004)

Von Susi Schneider aus New York

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CNN

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US-Vizepräsident

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    John Kerry (li.) teilte seine Entscheidung für Edwards in einer E-Mail an registrierte User seiner Wahlkampfpage mit, um "die wichtige Rolle zu unterstreichen," die das Internet bisher in seinem Wahlkampf gespielt hat.

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