Ärzte: "Vermessen, von Hoffnung zu sprechen"

7. Juli 2004, 00:22
178 Postings

Kaum Chancen für eine Gesundung von Bundespräsident Thomas Klestil - Herzfunktion stabilisiert, aber Leber und Nieren schwer geschädigt

Wien - Gering schienen Dienstag Abend die Chancen für eine Gesundung von Bundespräsident Thomas Klestil. Es wäre "vermessen, hier von Hoffnung zu sprechen", es gehe "mehr um das Einräumen einer Chance", erklärte Christoph Zielinski, Leiter von Klestils Ärzteteam am Wiener AKH in der "ZiB 2". Die Mediziner sprachen von einer Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau und von der "Grenze der ärztlichen Kunst".

"Wir versuchen, die Hoffnung nicht ganz schwinden zu lassen, auch wenn der Hoffnungsschimmer noch so klein war", betonte Zielinski. Die Ärzte hätten "manchmal den Eindruck, dass die Organfunktionen so sind, dass sie zum Teil dieser Hoffnung entgegen kommen. Dennoch wäre es vermessen, hier von Hoffnung zu sprechen."

Leber und Nieren schwer geschädigt

Klestils Herzfunktion sei stabil, aber die Leber- und die Nierenfunktion würden "sukzessive schlechter", berichtete der Leiter der Intensivstation am AKH, Gottfried Locker, in der "ZiB".

Man sei "an der Grenze des medizinisch Machbaren angekommen". Die Ärzte könnten jetzt "eigentlich nichts mehr tun, nur hoffen, dass sich der Zustand von selbst stabilisiert". Die Intensivmedizin könne "nur eine Überbrückung geben und hoffen, dass sich der Körper von selbst erholt". Jetzt sei "Hoffen und Beten angesagt".

Keine gute Prognose stellt der langjährige Arzt Klestils, Wolfgang Graninger, auch für den Fall, dass Klestil die Krise übersteht. Vermutlich würde er Wachkoma-Patient bleiben, erklärte Graninger laut "Presse".

CT wurde nicht durchgeführt

Klestils Gesundheitszustand war am Dienstag Vormittag derart dramatisch, dass auch die geplante Computertomographie (CT) nicht durchgeführt wurde. "Aus Rücksicht auf seinen Zustand haben wir darauf verzichtet", so Zielinski. Die Überwachung des Bundespräsidenten erfolgt laut Bulletin "in schonendster Weise mit Elektroden und mit regelmäßigen Blutabnahmen für chemische Untersuchungen". Diese Untersuchungen hätten eine zunehmende Verschlechterung der Funktion wichtiger Organe ergeben.

Familie bei Klestil

Ständig begleitet wurde der Bundespräsident von seiner Familie. Ehefrau Margot verließ nur am Vormittag kurz das Spital, nachdem sie die ganze Nacht an der Seite ihres Mannes durchgewacht hatte. Auch die beiden Söhne und die Tochter des Staatsoberhaupts sollen sich ständig am Bett des Erkrankten aufhalten. Die zahlreich im AKH erschienen Medienvertreter wurden naturgemäß von der Intensivstation fern gehalten, auf der Klestil derzeit von sechs Ärzten behandelt wird. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Leiter des Ärzteteams für Bundespräsident Thomas Klestil Christoph Zielinski

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bundespräsident Klestil weiter in akuter Lebensgefahr

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Zustand von Bundespräsident Klestil hat sich am Dienstag verschlechtert - Die Ärzte haben nur mehr "sehr eingeschränkte" Hoffnung

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Mitarbeiter einer Bewachungsfirma vor der Intensivstation

Share if you care.