Kardinal Schönborn spendete Krankensalbung

6. Juli 2004, 19:07
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Leiter des Ärzteteams: Bundespräsident durch Vielzahl von Erkrankungen angeschlagen

Wien - Der Gesundheitszustand von Bundespräsident Thomas Klestil ist nach zwei Herzstillständen weiterhin sehr ernst. Montag abend hat der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn das Staatsoberhaupt im AKH besucht und ihm das Sakrament der Krankensalbung gespendet, berichtete die "Zeit im Bild".

Vielzahl von Erkrankungen

Der Gesundheitszustand von Bundespräsident Thomas Klestil sei auch deshalb so ernst, weil man eine "Vielzahl von Problemen gleichzeitig zu bewältigen" habe, erklärte der Leiter des Ärzteteams im AKH, Christoph Zielinski, in der "ZIB 2" des ORF Montag abend. "Wir haben es mit einem Menschen zu tun, der nicht wie andere vielleicht einen Unfall erlitten hat und sonst gesund ist. Der Bundespräsident hat eine Vielzahl von Erkrankungen hinter sich und dadurch ist er natürlich angeschlagen", so Zielinski.

Dies "hilft uns nicht, dass es sich letztlich um einen kranken Patienten handelt". Zielinski schloss aus, dass eine Lungenembolie ausschlaggebend für den Herzstillstand gewesen sei. Deshalb sei man daran gegangen, die inneren Organe mit Sauerstoff zu versorgen, und zwar durch Intubationn, also künstliche Beatmung. Gleichzeitig habe man den Patienten in Tiefschlaf versetzen müssen, weil er sich gegen die künstliche Beatmung sonst wehren würde.

Lunge vorgeschädigt

Auf die Frage, ob er abschätzen könne, wie sehr die Organe beschädigt seien, meinte Zielinski, die Lunge sei bei Klestil vorgeschädigt. Das Problem sei das Zentralnervensystem, also das Gehirn, das bei jedem Patienten in einer solchen Situation besonders gefährdet sei. Das Gehirn verbrauche sehr viel an Sauerstoff und benötige sehr viel an Stoffwechsel. Es liege aber auch in einer festen Kapsel, dem Schädel. Wenn es Schwellungen gebe, könne das Gehirn leicht an die Schädelkapsel stoßen und dabei könne es zu Komplikationen kommen.

Darauf angesprochen, ob es Hoffnung gebe, dass der Bundespräsident wieder genesen könne, meinte Zielinski, man müsse hier den akuten und den chronischen Aspekt der Krankheit beachten. "Das Akute ist sicher bei weitem noch nicht vorbei". Durch eine Meisterleistung des Ärzteteams sei es zwar gelungen, eine Stabilisierung des Zustands zu erreichen, "aber wir können nicht biologische Prozesse verhindern". Und beim chronischen Aspekt gehe es um die Beatmungsnotwendigkeit, um die Veränderungen der inneren Organe zurückzudrängen. Durch die Beatmung könne es aber zur Infekten, zu Lungenentzündung kommen und dies müsse man auch bewältigen.

Was die ärztliche Schweigepflicht betrifft, meinte Zielinski, natürlich habe der Bundespräsident auch ein Anrecht auf Privatheit, "auf öffentliches Schweigen und auf öffentliche Respektnahme". 1996 sei es zu Entgleistungen auch in der medialen Welt gekommen. "Da hoffen wir, das mit einer sehr offenen und offensiven Informationspolitik zu verhindern". Zielinski kündigte an, dass am Dienstag das erste Bulletin veröffentlicht werde. (APA)

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