"Wenn China Exporteur wird, sind wir dabei"

20. Juli 2004, 13:09
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VA Tech forciert Asien - Neuer Vorstand gesucht

Wien - Das neue Führungsteam der VA Tech will nicht nur das Auslandsgeschäft des Anlagenbaukonzerns schlagkräftiger machen und die unübersichtliche Zahl an Tochterfirmen deutlich straffen, sondern auch seine Präsenz in neuen Märkten forcieren. "Unsere Präsenz in China ist für die Größe des Konzerns mickrig", gesteht Neokonzernchef Klaus Sernetz im STANDARD-Gespräch ein.

Aber nicht nur China, wo die VA Tech im Vorjahr mit 480 Mitarbeitern einen Auftragseingang von 1,164 Mrd. Euro verbucht hat, sei ein Thema, sondern ganz Asien. "Da hat die VA Tech noch relativ großes Potenzial. Aus Marktgründen und aus Kostengründen." So sei man zwar mit Verteiltrafos bereits in China, nicht aber mit Hochspannungstransformatoren. In Indien wiederum fertigt die Kraftwerkssparte VA Tech Hydro Turbinenteile. Der Rest sind Vertriebs- und Serviceaktivitäten für den weltweiten Absatz von Anlagen aus dem Hause VA Tech.

Derzeit läuft die Marktanalyse, die Entscheidung über Standorte, Umfang und Ausbau steht noch aus. Bis ein Produktionsstandort aufgebaut sei, würden gut ein bis zwei Jahre vergehen. "Wenn China Exporteur wird, wollen wir dabei sein", skizziert Sernetz die Zeitachse für die Investitionen.

Nicht einziges Standbein

Um nicht von einem Markt abhängig zu sein, werde China nicht das einzige Standbein sein. Interessant als Produktionsstandort sei ganz Südostasien, aber auch Mexiko. Zu den Wachstumsmotoren zählen insbesondere die Bereiche Energieerzeugung und Energieübertragung sowie die Stahlproduktion, die um 21 Prozent (auf 220,1 Mio. Tonnen) gestiegen ist.

Der Industrieanlagenbau von Vizegeneraldirektor Gerhard Falch ist es auch, der heuer einen Automationsableger (Schanghai) und einen für Manufacturing (Taicang) errichtet.

Ein mögliches Objekt für eine Verlagerung in den Fernen Osten ist freilich die in Europa darniederliegende Trafo-Sparte. Wie berichtet, prüft die VA Tech derzeit, ob die Transformatorenwerke in Schottland, Frankreich und Italien überlebensfähig sind. Zeichnet sich keine Erholung ab, könnte eines davon künftig in Südostasien produzieren, und zwar deutlich günstiger. Die Entscheidung soll binnen 60 Tagen gefällt werden.

Der sechste Mann

Mindestens so lange wird es dauern, bis ein Nachfolger für Sernetz als Elin-EBG-Chef gefunden ist. Die Suche ist bereits angelaufen, sowohl interne als auch externe Kandidaten sind eingeladen, sich zu bewerben, sagt Sernetz. Da der Neue zugleich in den Konzernvorstand einziehen sollte - dort ist nach dem Ausscheiden von Erich Becker ein Platz frei -, läuft die Kandidatenauswahl in enger Abstimmung mit dem Konzernaufsichtsrat.

"Die VA Tech soll auch künftig wieder von einem Sechservorstand geführt werden", sagt Sernetz, der zurzeit eine Dreifachfunktion ausübt: Generaldirektor, Finanzchef und Elin-EBG-Chef. Spätestens Anfang 2005 soll die Führungsriege komplett sein. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2004)

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