Ifo: Länger arbeiten, mehr Jobs

16. Juli 2004, 11:31
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Arbeitszeitverlängerung senkt Lohnkosten

München - Längere Arbeitszeiten in Deutschland können nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts zur Entspannung am Arbeitsmarkt beitragen. "Die deutschen Löhne sind im internationalen Vergleich hoch, und wir müssen etwas tun, damit die Lohnkosten sinken", sagte Ifo-Arbeitsmarktexperte Gebhard Flaig. So werde die Wirtschaft international wettbewerbsfähiger.

Das Beispiel Siemens zeige, dass eine Ausdehnung der Wochenarbeitszeit, Beschäftigung sichern könne. Die Unternehmen vermieden höhere Belastungen, wenn durch Großaufträge viele Überstunden anfielen.

Über entsprechende Maßnahmen sollte, nach Auffassung Flaigs, im Einzelfall und auf betrieblicher Ebene entschieden werden. "Sicher wäre es nicht optimal, auf einen Schlag flächendeckend die Arbeitszeit zu erhöhen, das wird ein längerer Prozess sein." Die Gewerkschaften müssten sich in dieser Debatte flexibler zeigen.

Einfacher durchsetzbar

Grundsätzlich sei eine Absenkung der Lohnkosten durch längere Arbeitszeiten einfacher durchsetzbar als eine direkte Senkung der Stundenlöhne. Die Gefahr einer Abwärtsspirale aus sinkenden Einkommen und Preisen sieht der Experte nicht.

"Es nutzt nichts, wenn die Löhne hoch gehalten werden, aber der Arbeitsplatz weg ist", meint Flaig, der Druck laste vielmehr "auf Unternehmensseite, die Arbeitszeiten zu verlängern". Außerdem sei angesichts der demografischen Entwicklung auch eine längere Lebensarbeitszeit zu erwarten.

Nach einer Analyse der HVB könnte eine Wochen Arbeitszeitverlängerung um eine Stunde bis 2010 fast 300.000 neue Arbeitsplätze bringen. Kurzfristig könnten einige Firmen jedoch mit Kündigungen reagieren. (dpa/DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2004)

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