"GO" macht Menschen auf dem Land mobil

7. Juli 2004, 09:17
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Kärntner Busruf-Projekt in Gemeinden ohne öffentliches Verkehrsnetz

Klagenfurt - Immer mehr regionale Bahn- und Postbus-Verbindungen fallen Einsparungen zum Opfer. Einkäufe erledigen, zum Arzt, zur Apotheke zu kommen oder einfach nur einen Besuch abzustatten wird für ältere, behinderte und autolose Menschen in ländlichen Gemeinden oft zum unlösbaren Problem.

In Kärnten wurde ein österreichweit einzigartiges Verkehrssystem entwickelt, das sich in kürzester Zeit bestens bewährt hat - das "GO-Mobil". Derzeit funktioniert es bereits in 27 Gemeinden, die über kein öffentliches Verkehrsnetz verfügen. Auch die Steiermark interessiert sich nun für das Kärntner Modell.

"GO" steht dabei einerseits für "Gemeinnützige Organisation zur sicheren Mobilität", andererseits für den Erfinder dieses neuen "Rufbus-Systems", Maximilian Goritschnig: "Wir wollen überall dort zur Stelle sein, wo es kein gewerbliches Taxi gibt. Das schafft Lebensqualität." Außerdem werde damit die Nahversorgung unterstützt und der Verödung des ländlichen Raumes entgegengewirkt.

Land Kärnten und der Bund unterstützen das Projekt pro GO-Mobil-Verein - in Kärnten gibt es derzeit 18 - im Startjahr mit 35.000 Euro. Damit werden die Autos, zumeist Mini-Vans, angeschafft und das Fahrpersonal sowie Betriebskosten bezahlt. Innerhalb von drei Jahren soll dann der öffentliche Zuschuss sukzessive verringert und der Kostendeckungsgrad auf über 30 Prozent erhöht werden.

Ein "GO" um 2,50 Euro

Ein Fahrschein, ebenfalls "GO" genannt, kostet bei allen Mitgliedsbetrieben 2,50 Euro, kann aber auch beim Fahrer um 3,50 Euro gelöst werden. Die 956 Betriebe, die sich den Vereinen angeschlossen haben, leisten insgesamt einen jährlichen Finanzierungsbeitrag von 160.000 Euro. 47 Männer und 56 Frauen sind als Chauffeure beschäftigt. Sie werden beim Kuratorium für Verkehrssicherheit, der örtlichen Gendarmerie und bei den Gemeindeärzten geschult. Die Autos verfügen über modernste Sicherheitsausstattung samt GPS.

Laut einer Verkehrsstudie sind in GO-Mobil-Gemeinden die Unfallzahlen mit Personenschäden deutlich geringer als anderswo. Auch im Europavergleich kann sich das Modell sehen lassen: "Wir haben gegenüber anderen paraöffentlichen Verkehrsmitteln im Verhältnis zu unserem Leistungsumfang den geringsten öffentlichen Mitteleinsatz", so Goritschnig. (stein, Der Standard, Printausgabe, 05.07.2004)

Link

GO GO-Mobil: [TEL]0664/60 36 03 plus Gemeinde-Postleitzahl als Durchwahl

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