Bohemien in geregelten Verhältnissen

6. Juli 2004, 18:42
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Jean Veenenbos, Cartoonist im STANDARD, mit einer Ausstellung im Kabinett des Quartier 21

"Nichts prädestinierte mich dazu, Künstler zu werden, es sei denn eine gewisse Abneigung gegen geregelte Verhältnisse." Nach Schuljahren in einem Schweizer Nobelinternat hat Jean Veenenbos erstmals diese Abneigung gegen das Geborgen-Sein im Regelwerk des Erfüllens von Konventionen verspürt. Vielleicht dämmerte ihm, dass allerhand Täuschungen, Manöver und Beugungen den Kleister bilden, die Lager der Erfüller zusammenzuhalten. Und also zog es ihn nach Amsterdam, ihn, den Niederländer, der 1932 auf Java das Licht einer für ihn "recht bequemen" Kolonialwelt erblickte. Dort, sagt er, "widmete ich mich recht erfolgreich dem Bohemienleben. Alles wäre gut gegangen, wäre da nicht wieder das Militär gewesen:

Auf der Flucht vor dem Militärdienst geriet ich schließlich nach Wien." Wo Jean Veenenbos entdecken musste, dass Lebenskünstler ein hohes Ansehen genießen. Der Bohemien wurde Bühnenbildner, und prompt drohte ihn der Erfolg wieder in geregelte Bahnen zu werfen: "Mit eiserner Konsequenz zog ich mich ins Privatleben zurück, um ein bisschen zu malen und mich meiner Katze Susie zu widmen." Bis es Oscar Bronner endgültig gelang, Veenenbos als Cartoonist an den STANDARD zu binden. Seither liefert er in schöner Regelmäßigkeit Zeichnungen, die das öffentliche Leben, die gute Gesellschaft, die Rührseligen ebenso wie die geschickt Berechnenden Lügen strafen.

Das Kabinett im Quartier 21 zeigt Jean Veenenbos, den Karikaturisten, aber auch Veenenbos den Maler. Der niederländische Botschafter Justus de Visser und STANDARD-Herausgeber Oscar Bronner sprechen zur Eröffnung. (mm/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Kabinett des Quartier 21
Museumsquartier

1070 Wien
Museumsplatz 1
7.-22. Juli 2004
Di-So 10-17 Uhr
Eröffnung: Di. (7.7.), 19 Uhr
  • Artikelbild
    grafik: veenenbos
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