Locker gefügte Fugenlosigkeit

19. Juli 2004, 22:27
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Raimund Hoghe und seine "Tanzgeschichten"

In Raimund Hoghes Tanzbegriff passen weder überschwängliche Bewegungen noch die schöne Linie oder die kunstvolle Visualisierung von Musik. Und doch lässt er nichts davon weg.

Anfang des Jahres hat der frühere Dramaturg von Pina Bausch gar Strawinskys legendäres Frühlingsopfer interpretiert, als Studie für zwei Darsteller: Hoghe selbst und den kaum 20-jährigen Belgier Lorenzo de Brabandere. Gemessen und mit sicherem Zeitgefühl nahm sich das ungleiche Paar - Brabandere ist jung und sportlich gebaut, Hoghe aufgrund eines Buckels verwachsen - einander und der Geschichte des Sacre du printemps an.

Auch Hoghes Tanzgeschichten wirken als stille Form der Selbstbekundung jenseits eines plumpen Expressionismus. Hoghe hat neben Brabandere zwei weitere Mitwirkende (und einen Überraschungsgast) versammelt.

Geraldo Si war Gründungsmitglied des Wuppertaler Tanztheaters, Ornella Balestra tanzte viele Jahre lang klassisches Repertoire bei Maurice Béjart. Diese Besetzung lässt ihre Persönlichkeiten in einer locker gefügten und doch fugenlosen Folge aus Einzelszenen aufatmen. Allerdings gibt es in den Tanzgeschichten keine Bekenntnisse zu hören.

Zu sentimentalen Schlagern und Auszügen klassischer Ballettmusik vollführen die Mitwirkenden stattdessen selbstversunkene Zeremonien, denen aber immer ein ganzes Leben innewohnt. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Von
Franz Anton Cramer

"Tanzgeschichten"
im Akademietheater
am 12. 7., 21 Uhr
  • Duftende Geschichten vom Tanzen: Leise lassen Raimund Hoghe (rechts) und Lorenzo de Brabandere Kaffeebohnen rieseln.
    foto: frank

    Duftende Geschichten vom Tanzen: Leise lassen Raimund Hoghe (rechts) und Lorenzo de Brabandere Kaffeebohnen rieseln.

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