Neue Formen des politischen Engagements

19. Juli 2004, 22:25
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Anne Teresa De Keersmaekers "Once"

Vier Jahrzehnte liegen zwischen den ersten Auftritten von Joan Baez und dem jüngsten Solo von Anne Teresa De Keersmaeker. Die Zeiten haben sich geändert. Die Lieder, die Baez damals live gesungen hat und zu denen Keersmaeker heute tanzt, haben ihre eigene(n) Geschichte(n).

Das Arrangement des Stücks Once der belgischen Choreografin und Tänzerin nimmt die historische Vielschichtigkeit auf. Die Platte Joan Baez in Concert Part 2 bildet die Grundlage einer Choreografie, die Vergangenheit mit Gegenwart und Privates mit Öffentlichem verbindet. Keersmaeker tanzt einen aktuellen Kommentar zu Baez' Songs von früher, zur Politik von damals und heute. Sie lässt die Platte mit gezielten Eingriffen von Anfang bis Ende erklingen, setzt sich gestisch und mimisch mit der Stimme, den Texten und Melodien - Folksongs, Balladen, Liebeslieder und Protestsongs - auseinander und fragt so nach neuen Formen des politischen Engagements.

Zuweilen lässt sich die Tänzerin ganz auf den Fluss der Töne ein, oder sie verbildlicht für Momente die gesungenen Worte mit narrativen Gesten; dann sperrt sie sich gegen Harmonien und Texte oder tritt zur Seite und überlässt den Liedern den Raum. Ihr Körper schweigt gespannt, wenn Baez besonders eindringlich singt, und sie blendet den Ton aus, wenn der Inhalt nach neuen Interpretationen verlangt.

Once ist ein politischer Akt um Macht und Ohnmacht, ein bewegtes und bewegendes Statement. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Von
Christina Thurner


"Once"
im Volkstheater
am 11. 7., 21 Uhr
  • In das Gewesene tasten und die Zukunft denken: Anne Teresa De Keersmaeker.
    foto: sorgeloos

    In das Gewesene tasten und die Zukunft denken: Anne Teresa De Keersmaeker.

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