Roaring Physiodrama

19. Juli 2004, 22:27
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Kämpfen, saufen und streiten, als ob die 30er-Jahre heute wären - bei Hans Van den Broeck geht es ungehobelt zu

Der belgische Choreograf Hans Van den Broeck inszeniert in Almost Dark mit seiner Compagnie Soit physische Melodramen: "Die Wahrheit erzählen, aber auf den Kopf gestellt." Dies ist ein Zitat aus der Collage von Gedanken, die Van den Broeck als Ausgangsmaterial für sein aktuelles Stück Almost Dark formuliert.

Fünf Schauspieler-Tänzer treten einen physischen Kampf rund um das Thema Erlösung und Vergeltung an, die Arena ist in den "Roaring Twenties" errichtet. Darin versuchen die Tänzer der nahenden Dunkelheit der 30er-Jahre zu entswingen, doch sie können ihren individuellen Obsessionen nicht entfliehen.

Der Krieg beginnt bei Van den Broeck zwischen zwei Menschen, die sich zugleich körperlich aufeinander zu-und mental voneinander wegbewegen. Schweißüberströmte Körper glänzen als Medien, die emotionale Botschaften physisch artikulieren. Alltägliche Tabus, Ängste, Begierden werden in Almost Dark über die dramaturgische Vernetzung von scharfzüngigen Dialogen, mitreißenden Melodien und energiegeladenen Bewegungen vor den Augen des Publikums aus der Tiefe des Unbewussten gezerrt.

Der 1964 geborene Van den Broeck choreografierte nach einem Psychologie- und Filmstudium vier Stücke für die renommierte künstlerische Plattform Les Ballets C. de la B., der auch Alain Platel, Christine De Smedt und Sidi Larbi Cherkaoui angehören.

2002 gründete er seine eigene Compagnie mit dem programmatischen Namen "Soit" ("Stay only if temporary"). Das Prinzip des intelligenten, ironischen Spiels mit Widersprüchen und Verkehrungen spiegelt sich in allen seinen Inszenierungen. (haitz/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

"Almost Dark"
im Odeon am 9. und 11. 7., 21 Uhr
  • In Hans Van den Broecks Arena wird es "Almost Dark"
    foto: van der burght

    In Hans Van den Broecks Arena wird es "Almost Dark"

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