Eselsreiter unter Himmels Blau

19. Juli 2004, 22:28
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Christian Rizzo mit Autant vouloir le bleu du ciel" zwischen Mode, Tanz und Don Quijote

Christian Rizzo, Modedesigner, Musiker und Choreograf aus Frankreich, zeigt mit seiner Association fragile eine gleichermaßen witzige und störrische Performance.

Die groteske Kunst entzieht sich seit jeher den strengen Fängen der Genrekategorien. Rizzo, der unter anderem mit Mathilde Monnier, Mark Tompkins und Vera Mantero gearbeitet hat, sucht wie Don Quijote auf dessen abenteuerlichen Wegen und Umwegen in seinem aktuellen Stück Autant vouloir le bleu du ciel et m'en aller sur un âne nach neuen kommunikativen Beziehungen in Form von Dialogen zwischen Menschen und Dingen. Versatzstückartig werden Elemente aus bildender Kunst, Tanz, Musik und Mode neu zusammengesetzt. Die zeitgenössische "Grotte", der Ort von Verwandlungen und Metamorphosen der Hauptfigur, ist ein Licht- und Klangraum, der von Gérôme Nox und Caty Olive gestaltet wurde.

In einer dramaturgischen Maskerade der Entsinnung erscheinen Figuren wie der "Höllenmusiker", der "Operateur" oder das "Zottentier". Die ruhigen Momente, in denen Objekte behutsam abgetastet werden, lassen das Publikum nach Passagen der lauten Präsenz in tiefe (Hör-und Seh-)Stille tauchen. Der Körperkünstler inszeniert mit einem präzisen performativen Gestus ein zeitgenössisches (Tanz-)Ritual, das mit minimalem Bewegungsmaterial sein Auslangen findet.

In der Magie dieses Spiels darf der Körper mehr sein als bloß Einschreibe- oder Projektionsfläche. Und der Wunsch, den blauen Himmel zu finden, ist endlich auch den Eselsreitern gestattet. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Von
Nicole Haitzinger

"Autant vouloir le bleu du ciel"
im Odeon am 19. 7., 21 Uhr
  • Ein Tänzer zwischen Zottentier und Eselsreiter beim Gesichtsbad mit Blume: Christian Rizzo 
in Aktion.
    foto: monot

    Ein Tänzer zwischen Zottentier und Eselsreiter beim Gesichtsbad mit Blume: Christian Rizzo in Aktion.

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