Scharfe Speisen eines Künstlerzwillings

19. Juli 2004, 22:29
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Was ist Schönheit? So tun, als ob...? - Und was ist Ästhetik? Das Schöne oder das sinnlich Wahrnehmbare?

"As if (it was beautiful)", die jüngste Arbeit der frankfurter küche (leipzig), wird bei ImPulsTanz sorgfältig uraufgekocht


Das eigenwillige Künstlerduo deufert+plischke alias frankfurter küche (leipzig) ist Deutschlands interessanteste Formation innerhalb der konzeptuellen Choreografie.

Der - laut Eigendefinition - "Künstlerzwilling" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Medien und deren Diskurse in ihre Performances zu verstricken und sich dabei miteinzuspinnen: mit wechselnden Identitäten, durch die frankfurter küche als Produktionseinheit sowie als Frau und Mann, die sich als Zwillingspaar präsentieren, das die beiden als identischer Kode verbindet. Sie basteln an dieser kleinen Identitätsmaschine und lassen auch in ihren Seminaren und Workshops immer wieder die Grenzen zum Persönlichen verschwimmen.

Betrachten wir etwa das Verhältnis von Küche und Partybesuchern, dann kommen wir diesem Phänomen des öffentlich Privaten schon näher. Der "harte Kern" jeder Party findet sich früher oder später in der Küche wieder. Und ein gutes Menü zeichnet sich durch die Abstimmung der Zutaten, schonende Garung und ein dem gerechtes Esspublikum aus. Die frankfurter küche serviert nicht einfach ein Fertiggericht, sie lässt sich vielmehr tief in die Töpfe schauen und genießt die Nähe zu seinem Publikum. Insgeheim, unter dem Tisch sozusagen, richten deufert+plischke jedoch unser aller Augenmerk auf Blickstrukturen, Konsumgewohnheiten und Begehrensstränge, beschäftigen uns mit Übertragungs- und Übersetzungs(fehl-)leistungen, werfen uns in einen visuell-akustischen Mixer.

Immense Verwertung

Die Zutaten sind drei Stimmen, zwei Körper, zehn Finger, sich vervielfältigende Gesichter und fehlende Münder. Die daraus bereitete Mischung aus Performance, Text und Sound erweist sich als scharfes Menü und zeigt die immense Beschleunigung der Verwertungsprozesse in unsere gegenwärtige Zeit prägen. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2004)

Von
Marty Huber

"As if (it was beautiful)"
im Schauspielhaus
am 8. und 10. 7., 21 Uhr
  • Ein Zwilling aus der in Leipzig wirkenden frankfurter küche, Thomas Plischke, sinniert über Erinnerungen aus seiner Kindheit: Strumpfhosen und Spielwiese.
    foto: deufert +plischke

    Ein Zwilling aus der in Leipzig wirkenden frankfurter küche, Thomas Plischke, sinniert über Erinnerungen aus seiner Kindheit: Strumpfhosen und Spielwiese.

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